Sport : Im Rückwärtsgang

Vor kurzem war Williams noch ein Spitzenteam – jetzt steckt es nicht nur sportlich in der Krise

Karin Sturm

Silverstone - In Silverstone erbrachte Williams den endgültigen Beweis dafür, dass BMW mit seiner Entscheidung richtig lag, die Zusammenarbeit mit dem Formel-1-Team zu beenden. Der Beweis stand in der Box und wartete darauf, von Nick Heidfeld auf die Strecke geführt zu werden – es war der alte BMW-Williams, der eigentlich beim Rennen in Indianapolis vor drei Wochen seinen letzten Auftritt haben sollte. Das neue, weiterentwickelte Aerodynamik-Paket funktionierte auch in Silverstone noch so schlecht, dass sich Nick Heidfeld im Freien Training dazu entschloss, lieber noch einmal mit dem alten Auto zu fahren. „So haben wir wenigstens die Möglichkeit, im direkten Vergleich Daten zu sammeln, die uns dann helfen können, das neue Paket weiterzuentwickeln“, sagte Heidfeld. Diese Entscheidung barg kein großes Risiko. „Wir waren so weit weg von der Spitze, dass wir nichts zu verlieren hatten“, gab Heidfeld zu.

Eineinhalb Monate nach seinen beiden zweiten Plätzen in Monaco und auf dem Nürburgring hatte der Deutsche als 12. mit dem Kampf um den Sieg in Silverstone genauso wenig zu tun wie sein Teamkollege Mark Webber (11.). Die angestrebte Weiterentwicklung des Autos erwies sich bislang als teuer erkaufte Stagnation: Die neue und alte Version des Autos scheinen sich nicht viel zu geben, die gefahrenen Zeiten waren praktisch identisch. „Ich bin hier praktisch mit der gleichen Konfiguration gefahren wie am Nürburgring. Dort stand ich auf der Poleposition und war im Rennen Zweiter – hier fehlen auf die Spitze fast zwei Sekunden“, stellte Heidfeld ernüchtert fest. Williams-Technikchef Sam Michael gibt zu: „Wir haben schon beim ersten Test mit dem neuen Paket ein paar Probleme kommen sehen, aber wir haben wohl unterschätzt, wie schwerwiegend die sein würden. Das Grundproblem ist, dass wir in diesem Jahr anfangs so weit zurücklagen und deswegen sehr schnell sehr viele neue Teile bringen mussten.“

Das wirkliche Grundproblem liegt wohl eher darin, dass dieser Fall und diese Vorgehensweise bei Williams keine Ausnahme zu sein scheinen. Keines der Autos der vergangenen vier Jahre war auf Anhieb schnell, jedes Mal mussten umfangreiche Nachbesserungen vorgenommen werden. Angesichts dieser Startschwäche verlor der Motorenpartner BMW vor kurzem die Geduld und entschied sich dafür, auf das Sauber-Team zu setzen.

Für Williams ist die Situation prekär: Der Rennstall steht noch ohne Motor für das nächste Jahr da, weil der verletzte Stolz des Chefs Frank Williams es nicht zulässt, die angebotenen Aggregate von BMW anzunehmen. Aber die derzeitige Misere macht sein Team für potenzielle Partner wie Honda oder Toyota alles andere als attraktiv. Bis Ende Juli, das weiß Williams, muss eine Entscheidung gefallen sein – sonst kommt er mit der Entwicklung des Autos für nächstes Jahr in Verzug. Wieder einmal.

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