Sport : Im Spiegel des Tages: Am Markt vorbei gewirtschaftet

Helmut Schümann

Erstaunliche Meldungen kommen aus der deutschen Eishockey-Szene. 400 000 Tickets, so wird erwartet, werden zum Ende des Monats bei der in Köln, Nürnberg und Hannover stattfindenden Weltmeisterschaft verkauft sein. Russland gegen Kanada ist schon ausverkauft, für ein paar andere Spiele - übrigens: Spiele ohne deutsche Beteiligung - sind nur noch Restposten verfügbar. Die WM wird damit die bestbesuchte dieses Sports in den letzten 30 Jahren werden.

Und das in Deutschland, wo Eishockey zwar jahrelang Publikumssportart Nummer zwei war, aber in den letzten Jahren ziemlich auf den Hund gekommen ist und wo sich das Interesse nur regional begrenzt hielt. Könnte es also sein, dass hierzulande ein großes Potenzial brachliegt? Dass es immer noch Menschen gibt, die sich an diesem rasanten und spektakulären Spiel erfreuen, die aber davon in dem Unsinn, den die Deutsche Eishockey-Liga bietet, nichts finden? Die DEL wartet ja ansonsten eher nicht mit positiven Meldungen auf. Eher schon mit andauernden juristischen Streitereien oder, wie zum Wochenbeginn, mit der Enthüllung über schwarz gezahlte Spielergehälter. Oder auch mit infantilen Albernheiten, wie den Namen der Klubs, bei denen man eher an den Zoobesuch mit den Kindern denkt als an sportliche Auseinandersetzungen. Und schließlich mit Spielern, die schneller die Vereine wechseln, als Fans Tickets kaufen können. Die Quittung dafür ist wachsender Unmut und steigendes Desinteresse. Und der Erfolg der WM ist zumindest ein Indiz dafür, dass im deutschen Eishockey ein paar aktionistische Funktionäre reichlich blindwütig an einem potenziellen Markt vorbei wirtschaften.

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