Sport : Im Spiegel des Tages: Baumert fürchtet weiteres Ungemach

Ernst Podeswa

"Der Wagen Leistungssport könnte ins Wanken geraten - hoffentlich fährt er nicht aus der Spur", erklärte Armin Baumert nach dem Dopingbefund des Ringer-Olympiasiegers Alexander Leipold bei einem Gespräch mit Sportjournalisten in Berlin. Schon der Dopingfall Baumann habe das Ansehen des Sports beschädigt, jetzt fürchtet der Leitende DSB-Sportdirektor weiteres Ungemach.

Man könnte meinen, Baumert sei zu weit weg von der Realität, doch eher ist es so, dass er nicht das aussprechen darf, was alle denken. Der Kugelstoßer Sven-Oliver Buder sagte in Sydney zur Frage, ob auch die Deutschen verbotene Mittel benutzen: "Man kann jedem nur bis auf die Stirn schauen und nicht dahinter. Ich würde für keinen die Hand ins Feuer legen." Da Baumert, auch Mitglied des Bundesausschusses Leistungssport, einen guten Draht zu Trainern und Sportlern hat, verbietet sich die Annahme der Blauäugigkeit. Schon in Australien waren Stimmen laut geworden, dass der Abrutsch von Barcelona (33 Goldmedaillen/3. Rang) über Atlanta (20/3. Platz) und Sydney (14/5. Rang) eine Folge der strengeren Dopingkontrollen sei. Nur lässt sich das nicht beweisen. Den Anschluss nicht zu verlieren, hieße, den (unterstellten) Dopingweg anderer Nationen mitzugehen. Weil Sport, Politik und Wirtschaft dies weltweit und offiziell wegen des Zeitgeistes ablehnen müssen, kann sich Baumert nur "ratlos" zeigen über die möglicherweise bald versiegende Goldader. Das Nachdenken über mehr Professionalität in den Verbänden, der Kompetenzwirrwarr zwischen DSB, NOK, Sporthilfe und den "autonomen" Verbänden dürften mit dem "deutschen Weg" enden: Besitzstandwahrung.

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