Sport : Im Spiegel des Tages: Der alte Zauber wirkt nicht mehr

Stefan Hermanns

Früher war alles besser. Das Wetter. Die Mädchen. Der Fußball. Früher haben die Stürmer noch keine Schienbeinschoner getragen. Und die Abwehrspieler erst recht nicht. Die sind ihrem Gegenspieler notfalls bis aufs Klo nachgelaufen, weil die Trainer nämlich noch Ahnung von Taktik hatten und keine Psychofuzzis brauchten, um ihre Jungs richtig heiß zu machen.

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Tipp-Spiel: Wer wird Deutscher Meister? Früher hat Rolf Schafstall den VfL Bochum mit seinen Methoden Jahr für Jahr vor dem Abstieg gerettet. Dann kamen seine Nachfolger mit ihren neumodischen Ansichten nach Bochum, und Schafstall musste zusehen, wie sie sein Lebenswerk ruinierten. Keine Frage, dass er in höchster Not noch einmal helfen wollte. Für den VfL hat Schafstall sogar seinen gepflegten Garten im Stich gelassen. Doch zwei Spieltage vor Saisonende ist seine Mission leider schon wieder beendet. Nach der 0:3-Niederlage gegen Frankfurt steigt Bochum zum vierten Mal seit 1993 in die Zweite Liga ab. Der alte Zauber wirkt nicht mehr.

Die entscheidende Niederlage hat der VfL ausgerechnet gegen einen Verein kassiert, der ebenfalls auf die Dienste eines alten Haudegen baut. Friedel Rausch, Frankfurts Trainer, stammt aus einer Zeit, in der die Stürmer noch Kanoniere hießen oder als Bomber der Nation gefeiert wurden. Wenn sein Team mit Pech verliert, sagt Rausch nicht, das Glück hat gefehlt, sondern das Schlachtenglück. Ein bisschen ist Fußball eben wie Krieg. Rausch hat die ersten vier Schlachten verloren, der Sieg gegen Bochum war sein erster überhaupt. Zweimal sitzt er noch auf der Bank, dann muss er wieder den Rentner geben und mit seinem Hund um den Vierwaldstätter See spazieren. Rausch wird an alte Zeiten denken. Als alles besser war.

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