Sport : Im Spiegel des Tages: Hehres Ziel, falscher Weg

Claus Vetter

Mit dem hehren Ziel der Nachwuchsförderung wird derzeit viel an Regelungen herumgedoktert. Im Großen, wie jüngst von den Innen- und Sportministern der Bundesländer, die Ausländer aus Staaten außerhalb der Europäischen Union nur noch in Ersten Ligen sehen wollen. Und im Kleinen, wie jetzt von den Gesellschaftern der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Nach ihrem unerforschlichen Ratschluss soll von der nächsten Saison an jede Mannschaft nur noch 18 Profis aufstellen dürfen, darunter höchstens 14 Ausländer. Zu den 18 müssen 4 deutsche Spieler unter 23 Jahren mit so genannten "Förderlizenzen" kommen.

Doch wie so vieles in dieser Debatte ist auch dieser Plan nicht zu Ende gedacht - ganz abgesehen von seiner rechtlichen Haltbarkeit. Trainer werden ihr Ausländerkontigent auszuschöpfen versuchen, müssen dann ihre vier Nachwuchsspieler auf den Spielberichtsbogen schreiben - und haben dann nur noch Platz für vier weitere deutsche Spieler, die über 23 Jahre alt sind.

Nun ist aber mancher Kader in der DEL jetzt schon so angelegt, dass weit mehr als vier "Ü 23"-Spieler dazugehören. "Da hocken in der nächsten Saison oft drei, vier ältere Deutsche auf der Tribüne", mutmaßt Lorenz Funk. Der Sportdirektor der Capitals folgert: "So wird das Eishockey nur behindert." Der Protest regt sich zu Recht. Gut, dass über den Beschluss auf der DEL-Gesellschafterversammlung am 1. März nochmals abgestimmt werden soll.

Ohnehin ist es abenteuerlich, dass man in der DEL - unabhängig von den Beschlüssen der Sport- und Innenminister - mit weiteren schwer durchschaubaren Selbstbeschränkungen eigene Wege einschlägt. Und der Einwand bleibt, dass diese Neuregelung, die nach dem jetzigen Stand der Dinge auch EU-Ausländer betreffen soll, vor ordentlichen Gerichten kaum haltbar ist.

Ins Bild passt da, dass die neue Regelung schon von der Saison 2002/2003 an wieder Makulatur ist: Dann sollen in der DEL nur noch zwölf Ausländer pro Mannschaft zugelassen sein.

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