Sport : Im Spiegel des Tages: Lichter und Löcher

Sven Goldmann

Der Fußballspieler Christian Beeck spricht, wie er grätscht: kompromisslos. Am Sonntag hat der Cottbuser Verteidiger seine Stollen in den Oberschenkel des am Boden liegenden Rostockers Victor Agali gerammt und diesen Tritt später als "faire Brutalität" gerechtfertigt. Der Agali neige nun mal zum Provozieren, "der muss damit leben, dass er auf die Knochen bekommt. Wenn ich aber mutwillig jemanden zerstören will, dann treffe ich mich mit ihm draußen und haue ihm ein paar auf die Lichter."

Das ist, nun ja, ein wenig einfach ausgedrückt. Beeck wird sich nichts dabei gedacht haben, aber die Öffentlichkeit ist nun mal etwas empfindlich, wenn Ausländer, noch dazu Schwarze, im Osten Deutschlands ein paar auf die Lichter bekommen. Es sind nun mal stets Umgebung und Zusammenhang, die scheinbar unverfängliche Aussagen zu solchen machen, die besser unterblieben wären.

Dass dieses Prinzip auch im Umkehrschluss gilt, hat uns Carsten Jancker gezeigt. Der Stürmer in Diensten des FC Bayern München hatte am Sonnabend zum 1:0 gegen Bayer Leverkusen getroffen und im direkten Anschluss dessen Trainer beleidigt. Der genaue Wortlaut war weniger zu hören, als durch die Bewegung von Janckers Lippen zu erahnen: "Vogts, du Arschloch!" Ein hartes Wort - mit geringer Wirkung.

Niemand hat sich so richtig darüber aufgeregt, und selbst die vom FC Bayern ausgesprochene Geldstrafe wäre Jancker wohl erspart geblieben, hätte er sich nur eine Spur gewählter ausgedrückt. Schließlich hat die Vokabel Arschloch im Westen ihren Schrecken verloren, seit ein junger Politiker mit ihr Karriere machte. Ende der siebziger Jahre richtete ein gewisser Joschka Fischer (noch weit entfernt vom Diplomatischen Dienst und Jargon) folgende Worte an den Bundestagspräsidenten Richard Stücklen: "Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch."

Richtig eingebettet in Begriffe wie "mit Verlaub" und "Herr Präsident" wirkt so ein Kraftausdruck geradezu poetisch. Vom Außenminister lernen, Herr Jancker, heißt formulieren lernen. Wenn Sie also wieder mal den Berti Vogts angehen wollen, dann tun Sie es doch so: "Werter Herr Bundestrainer a. D., bitte sehen Sie es mir nach, aber von Zeit zu Zeit überkommt mich bei Ihrem Anblick die Vorstellung, dass Sie mit Ihrem Stil, eine Mannschaft zu führen, meiner Vorstellung von einem Arschloch doch sehr nahe kommen." Ja, so eine Tirade hätte Sie für einen repräsentativen Job prädestiniert. Vielleicht für den des DFB-Präsidenten, wenn es sich der Herr Mayer-Vorfelder noch einmal überlegen sollte, dieser ... nein, auch dieses Wort gehört nicht in diese Zeitung.

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