Sport : Im Spiegel des Tages: Wir wollen rot-weiße Trikots

Benedikt Voigt

Eigentlich hatte der Fußballspieler Samuel Osei Kuffour seinen bislang besten Auftritt vor einigen Jahren auf dem Münchner Rathausbalkon. Es gab mal wieder etwas zu feiern, eine Meisterschaft oder einen Pokal, und die Spieler des FC Bayern München sonderten über dem Marienplatz die gängigen Jubelschreie ab. "Ihr seid die besten Fans der Welt" oder "Olé, olé, olé", man kennt das ja. Dann aber griff sich Kuffour das Mikrophon und sang radebrechend jene Strophe, für die ihn jeder Bayern-Fan seither liebt: "Rot-weiße Trikot, wir wolle rot-weiße Trikot, rot-weiße Trikot, wir wolle rot-weiße Trikot."

Seit vergangenem Mittwoch trägt der FC Bayern München wieder knallrote Triktos mit rot-weißen Ringelsocken. Wie damals in den 70er Jahren. Womöglich will der FC Bayern dem Konkurrenten aus Leverkusen etwas entgegensetzen, der auch auf ein Relikt aus den ausgehenden 70er Jahren setzt. Oder warum verpflichteten die Leverkusener den ehemaligen Mönchengladbacher Berti Vogts? Wahrscheinlicher aber ist, dass selbst der große FC Bayern nicht vor Aberglauben gefeit ist. Nun, da es in der Bundesliga nicht mehr so läuft, wollte man es so machen wie in den erfolgreichsten Jahren der Vereinsgeschichte: ein knallrotes Trikot überziehen. Mit diesem Rezept holten die Münchner immerhin unter anderem dreimal den Pokal der Landesmeister. Seither laufen sie diesem Pokal unglücklich hinterher. Nun versuchen sie es mit den Glücksbringern vergangener Tage, was gegen Olympique Lyon bereits geholfen hat. Oder glaubt jemand an Zufall, wenn ein Herr Müller am entscheidenen Tor für Bayern München beteiligt ist?

Die Fans jedoch wussten, wem sie am Mittwoch das neue, alte optische Erlebnis zu verdanken haben. "Wir haben rot-weiße Trikots", sangen sie glücklich. Und gleich danach: "Sammy Kuffour".

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