Sport : In allerletzter Sekunde

Borussia Dortmund zieht bei Greuther Fürth durch ein 1:0 nach Verlängerung ins Pokalfinale ein.

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Nah dran. Die Fürther um Felix Klaus (vorn) lieferten Robert Lewandowskis Dortmundern einen harten Kampf. Foto: Reuters Foto: REUTERS
Nah dran. Die Fürther um Felix Klaus (vorn) lieferten Robert Lewandowskis Dortmundern einen harten Kampf. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Mike Büskens hatte sich seinen entscheidenden Schachzug bis zur 118. Minute aufgehoben. Der Trainer des Zweitligisten Greuther Fürth holte seinen Torhüter Max Grün vom Platz und schickte dafür Ersatztorwart Jasmin Fejzic aufs Feld. Der Bosnier gilt als Elfmeterkiller – und wie anders als mit Strafstößen sollte das Halbfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund auch noch entschieden werden? Es kam allerdings doch ganz anders, als sich Büskens und die Zuschauer in Fürth gedacht hatten. In der allerletzten Minute der Verlängerung zog der eingewechselte Dortmunder Ilkay Gündogan von der Strafraumgrenze ab, vom Pfosten prallte der Ball an den Rücken von Fejzic und rollte über die Linie. Danach pfiff Schiedsrichter Florian Meyer ab, der Deutsche Meister bejubelte seinen 1:0 (0:0)-Sieg und den Einzug ins Finale am 12. Mai in Berlin. „Das gerade in der allerletzten Sekunde das Tor für uns fällt, ist ein unbeschreibliches Gefühl“, sagte Torschütze Gündogan.

Es war das an Dramatik schwer zu überbietende Finale eines dramatischen Pokalfights. Gewiss waren die Dortmunder im Duell der Spitzenreiter von erster und zweiter Liga lange Zeit die dominierende Mannschaft. Aber überraschenderweise war es der Zweitligist, der am Ende mehr zuzusetzen hatte. Allzu schludrig wirkten die Dortmunder in der Spieleröffnung über die Innenverteidiger Mats Hummels und Neven Subotic, und auch dem in der Bundesliga so brillanten Shinji Kagawa misslang auffällig viel.

Die größte Chance bot sich den Dortmundern nach exakt einer halben Stunde – und der Umgang mit ihr verrät einiges über die anfängliche Sorglosigkeit des Deutschen Meisters. Lukasz Piszczek hatte von der rechten Seite auf Kevin Großkreutz geflankt. Der lange Dortmunder beförderte den Ball mustergültig weiter auf seinen zentral postierten Kollegen Shinji Kagawa, der eigentlich nur noch den Kopf hätte hinhalten müssen, das allerdings mit einem Minimum an Zielgenauigkeit. Kagawa aber hob den Ball mit einer Mischung aus Lässig- und Nachlässigkeit weit über die Querlatte.

„Das war er also, der große Fußball der ersten Liga“, lästerte der Fürther Stadionsprecher zur Pause. Bis zu diesem Zeitpunkt war es für den Zweitligisten allemal ein Achtungserfolg, und zwar ein keinesfalls mit klassischen Außenseitertugenden ermauerter. Die Fürther verstanden es durchaus geschickt mit dem Ball umzugehen, allen voran die ballgewandten Offensivkräfte Sercan Sararer und Olivier Occean. Und wie erwartet hielten sie kämpferisch dagegen, mit jeder Minute ein bisschen mehr. Als Dortmunds Nationalspieler Marcel Schmelzer zu Beginn der zweiten Halbzeit eine Flanke von Sararer mit dem Hinterkopf abfälschte, bot sich der SpVgg sogar unversehens die Chance zur Führung, aber der kleine Dribbler Felix Klaus war zu überrascht von dem sich bietenden Geschenk und ließ den Ball von der Brust ins Toraus prallen.

Dann aber waren wieder die Dortmunder dran, diesmal durch Großkreutz, der erst Grün mit einem Kopfball zu einer großartigen Parade zwang und kurz darauf für Kagawa auflegte, aber der Japaner traf den Ball mit seinem schwächeren linken Fuß nicht richtig. Ein paar Minuten später war Schluss für ihn und Lucas Barrios trat seinen Dienst als zusätzlicher Stürmer an. Zu diesem Zeitpunkt aber hatte sich die Dortmunder Überlegenheit schon verflüchtigt. Fürth war gleichwertig, ja wirkte zeitweilig sogar zielstrebiger. Das Publikum witterte die Sensation und brüllte sich in einen Rausch, als in der Schlussphase der bekennende Dortmund-Feind Gerald Asamoah für den entkräfteten Klaus ins Spiel kam.

In der Verlängerung hatten die Fürther sogar mehr zuzusetzen. Verunsicherung machte sich breit beim Meister mit jeder Minute, die das finale Entscheidungsschießen näher rückte. Fürths Trainer Mike Büskens wechselte Fejzic ein – mit den bekannten tragischen Folgen in der Schlusssekunde.

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