Sport : In bewährter Tradition Wie immer siegt Gladbach gegen Köln – diesmal 1:0

Stefan Hermanns

Mönchengladbach. Der ehemalige norwegische Nationaltrainer Egil Olsen hat seiner Mannschaft früher ein recht simples Spielsystem verordnet. Sie sollten die Bälle immer weit in des Gegners Hälfte schlagen; auf diese Weise – so hatte Olsen statistisch errechnet – werde die Wahrscheinlichkeit minimiert, dass der Gegner ein Tor schießt. Es wäre zu viel der Ehre, wenn man im Auftreten von Borussia Mönchengladbach im Spiel gegen den 1. FC Köln einen theoretischen Hintersinn vermuten würde. Die Gladbacher schlugen den Ball nur deshalb immer wieder weit aus der eigenen Hälfte weit in die Hälfte der Kölner, weil ihnen kein anderes Mittel einfiel, sich dem Tor der Gäste anzunähern. „Fußballerisch war das mit Sicherheit nicht berühmt", sagte Stürmer Marcel Ketelaer. Und trotzdem gewannen die Gladbacher 1:0 gegen den Aufsteiger.

Die plausibelste Erklärung für das Ergebnis ist wahrscheinlich die, dass die Gladbacher eigentlich immer gegen den FC gewinnen. Gegen keine Mannschaft sieht ihre Bilanz besser aus. Das 1:0 war der achte Heimsieg der Gladbacher gegen die Kölner in Folge. Die vor allem von den Borussen liebevoll gepflegte Rivalität gehört inzwischen zum festen Selbstverständnis beider Klubs. Bei ihrer Saisonabschlussfeier tanzten die Borussenspieler zu FC-Schmähgesängen auf den Tischen, und dem Aufstieg der Kölner konnten selbst die Fans der Gladbacher eine gute Seite abgewinnen – „weil das sechs sichere Punkte sind“. Marcel Ketelaer sagte zu den Erwartungen im Umfeld: „Es ging ja nur noch um die Höhe des Sieges."

Die Angelegenheit auf dem ausverkauften Bökelberg wurde weit mühseliger als erwartet. „Wir waren in der Situation, dass wir das Spiel machen mussten", sagte Borussias Trainer Ewald Lienen. Und es zeigte sich, dass den Gladbachern diese Aufgabe nicht besonders behagt. Obwohl Kölns Trainer Friedhelm Funkel alle sechs Neuzugänge aufgeboten hatte, Lienen hingegen nur zwei, machten die Gladbacher den Eindruck, als hätten sich die Spieler eine halbe Stunde vor dem Spiel zum ersten Mal gesehen.

Doch weil sowohl Ebbers als auch Springer mehrere Möglichkeiten nicht nutzten, nahm das Spiel innerhalb von einer Minute den traditionellen Verlauf. Erst sah Kölns Verteidiger Moses Sichone nach einem Foul gegen Ketelaer die Rote Karte, und den folgenden Freistoß verlängerte Matthias Scherz ins eigene Tor. Funkel sagte, seine Mannschaft habe im Anschluss auch mit zehn Mann noch versucht, nach vorne zu spielen. Angesichts des Rückstands blieb den Kölnern eigentlich auch nichts anderes übrig. Alles in allem war Funkel trotz der Niederlage nicht unzufrieden. Immerhin verschaffte es ihm die Hoffnung, „dass wir in der Lage sind, in der Bundesliga zu bleiben". Die Gladbacher würde es bestimmt freuen.

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