Sport : In der Dressur bleibt nichts, wie es war

Christiane Mitatselis

Aachen - Holger Schmezer schüttelte den Kopf. „Nein, das war sicher nicht das, was wir uns erwartet hatten“, sagte der Bundestrainer der Dressurreiter am Sonntag. Wie groß die Enttäuschung beim CHIO in Aachen ausfiel, musste Schmezer nicht konkretisieren. Die Statistiken sagten alles: Nach dem historischen Debakel in der Teamwertung (erste Niederlage seit 1977) kam kein deutscher Dressurreiter gestern beim Großen Preis von Aachen im Einzel unter die ersten drei Platzierten – so schlecht schnitten die einstigen deutschen Erfolgsreiter nie zuvor beim CHIO ab.

Siege waren lange Tradition; doch die Gegenwart am Sonntag war ernüchternd. Hubertus Schmidt (Borchen-Etteln) belegte mit Wansuela Suerte den vierten Rang, Ellen Schulten-Baumer (Rheinberg) wurde mit Lesotho Elfte, Ann Kathrin Linsenhoff (Kronberg) kam mit Sterntaler auf Rang 14 und Martin Schaudt (Albstadt) mit Weltall auf Rang 16. Der Sieg ging an den Schweden Jan Brink mit Briar, der den Großen Preis von Aachen als erster Mann seit 1984 gewann. Er triumphierte vor der niederländischen Olympiasiegerin Anky van Grunsven mit Salinero und Silvia Ikle (Schweiz) mit Salieri. Als kleinen Erfolg wertete es der Bundestrainer, dass sich die deutschen Dressurreiter im Einzel gegenüber der Kür etwas verbessern konnten. „Wären sie so geritten wie heute, hätten wir als Team nicht verloren“, sagte Schmezer. „Unter dem Strich ist es noch ein ganz glücklicher Ausgang für uns.“

Es ist dennoch nicht zu übersehen, dass die deutsche Dressur-Equipe ein Problem hat. Wo ist das Pferd für die Zukunft? Ein großer Hoffnungsträger ist Nadine Capellmanns neunjähriger Fuchswallach Elvis. „Er ist das beste Pferd, das ich je hatte“, sagte die 40-jährige Olympiasiegerin, deren ehemaliges Erfolgspferd Farbenfroh im Frühjahr gestorben war. Bundestrainer Schmezer ist davon überzeugt, dass Capellmann mit Elvis an alte Erfolge anknüpfen kann, „falls Elvis konstant wird“. Bei den deutschen Meisterschaften im Juli in Verden musste Capellmann auf einen Start verzichten, da der lebhafte Wallach ihr den Gehorsam verweigert hatte. Eine noch glorreichere Zukunft trauen die Fachleute Linsenhoffs Sterntaler zu, dem sehr sensiblen, zehnjährigen Wallach. „Er braucht spezielles Training, auch er muss konstanter werden“, meinte Schmezer.

Im Hinblick auf die Weltmeisterschaft der Reiter im September 2006 in Aachen will der Bundestrainer nun die vorhandenen Potenziale verbessern. Schon in dieser Woche will Schmezer mit den Planungen für die WM-Saison beginnen. „Ganz klar: Wir müssen uns steigern“, sagt der Coach. Zu deutlich sind die Ergebnisse des CHIO.

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