Sport : In der Hitze des Mittags

NAME

Von Helmut Schümann

Daegu. Ein bisschen unterschiedlich sind sie ja schon, der Stig Töfting und der El Hadj Diouf. Wie Diouf so dasteht mit seiner großen, jedes Augenspiel verdeckenden Sonnenbrille, der goldenen Designeruhr, dem schweren Brillantring am rechten kleinen Finger. Und die vielen Brillis darin haben je einen kleinen Bruder auf dem Vorderzahn und einen im Ohr. Zwei Handys hat er in der Hand, da könnte er ganz cool aus der Gang gekommen sein. Und nicht vom Rasen des Daeguer Stadions und nun ziemlich tonlos verkünden, dass dieses 1:1 von ihm und seinen Kumpels aus Senegal gegen Dänemark „ein großer Sieg ist für den afrikanischen Fußball, weil noch nie eine afrikanische Mannschaft gegen Dänemark auch nur ein Unentschieden geholt hat."

Und wie Stif Töfting so rumläuft auf dem Rasen mit seinen dicken Muskeln, von denen man seit seiner Zeit beim Hamburger SV weiß, dass sie voll dieser Tattoos sind, die heute jeder trägt, der stark und tough sein will, dazu dem kräftigen Stiernacken, dem kahl geschorenen Schädel, den kurzen Beinen und immer feste rein – also, es gibt die Werbeanzeige zum offiziellen Videospiel der Fifa, auf der ein Fan von Manchester United zu sehen ist, dem man nicht mal im Hellen begegnen möchte, also, so ähnlich sieht Stig Töfting aus. Nur nicht ganz so dick.

Diouf und Töfting sind so etwas wie die Protagonisten ihrer Teams und ein wenig auch die Repräsentanten derer Spielweisen. In der zehnten Minute hatte es in der Hälfte der Dänen eine Hakelei gegeben, an deren Ende ein Däne am Boden lag und ein kleiner Aufruhr folgte. Als der zu Ende war, trat Stig Töfting in den Ring, schubste diesen Senegalesen, dann jenen – und der Aufruhr, dem der auch ansonsten unpässliche Schiedsrichter Carlos Batres aus Guatemala überfordert ausgeliefert war, ging weiter. Bis die Einsicht siegte, dass man eigentlich zum Fußballspielen hergekommen sei und nicht zum Raufen.

Womit nicht gesagt sein soll, dass die Dänen Skinheads sind, so sieht neben Töfting nur noch Mittelfeldkollege Thomas Gravesen aus. Aber elegant ist ihr Spiel eben auch nicht, Töfting und Gravesen dreschen lieber den Ball, als dass sie ihn liebkosen.

Ein solcher eher grobmotorisch angetriebener Pass erreichte auch in der 14. Minute den durchsetzungsfähigen Stürmer Jon Dahl Tomasson, der auf den noch durchsetzungsfähigeren Moussa Ndiaye traf. Anschließend lag Tomasson im Strafraum. Mit dem fälligen und berechtigten Elfmeter zur Führung, seinem dritten Tor im Turnier, setzte sich der gerade zum AC Milan gewechselte Stürmer gleich hinter Miroslav Klose in der Torschützenliste. Zu dem Zeitpunkt waren die Senegalesen arg von der Rolle, so arg, dass man schon befürchten müsste, man würde die irgendwie mit Jingle Bells anfangende und mit Anlehnung an Johannes Heesters endende Hymne bald nicht mehr hören dürfen.

An der Hitze von 32 Grad im grandiosen, aber stimmungstötenden Leichtathletikstadion von Daegu kann es nicht gelegen haben. Über die beschwerten sich lediglich die Dänen, weil sie zweimal mittags spielen müssen. Die Anstoßzeit wäre nach der Auslosung eigentlich den Franzosen zugefallen. Doch es wurde getauscht, um den Weltmeister hier abends zur Prime Time im Fernsehen zu haben.

Eine Halbzeit hielt die zerfahrene Spielweise der Afrikaner an, dann aber, in Halbzeit zwei, schienen sie sich zu erinnern, wie sie ihr Auftaktspiel gewonnen hatten: Mit El Hadj Dioufs schnellem Antritt, seiner Wendigkeit und seinem Einfallsreichtum. Ein Tor blieb dem jungen Mann, für den der FC Liverpool angeblich 16,2 Millionen Euro an Lens bezahlt hat, wieder verwehrt. Aber ansteckend wirkte er auf die Kollegen und damit inspirierend zur schönsten Szene des Spiels, einem Doppelpass über fünfzig Meter, den Salif Diao zum Ausgleich abschloss.

Jener Salif Diao stand dann aber auch im Mittelpunkt der hässlichsten Szene des Spiels. Meilenweit weg vom eigenen wie vom gegnerischen Tor sprang der Senegalese dem Dänen Rene Henriksen mit den Stollen zuerst ins Schienbein. Der Schiedsrichter stand direkt daneben und zeigte Diao die Rote Karte.

Vier Punkte haben nun beide Mannschaften und machen sich noch Hoffnung auf ein Weiterkommen – auf Kosten des Weltmeisters Frankreich, der erst einen Punkt hat. Der dänische Trainer Morten Olsen sagte, dass noch alles offen sei und bemerkte gut gelaunt, dass diese bisherige Weltmeisterschaft sehr schöne, offene Spiele geboten habe. Nur das mit dem Wetter . . .

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben