In die Relegation gerettet : Cottbuser Glücksseligkeit

Zur Halbzeit war Energie Cottbus abgestiegen – und rettet sich dank des 3:0 über Leverkusen und Bielefelds Unentschieden noch in die Relegation. „Wenn man ehrlich ist, muss man sagen: Das ist ein Geschenk für uns“, gibt Verteidiger Daniel Ziebig zu.

Lars Spannagel[Cottbus]
FC Energie Cottbus - Bayer 04 Leverkusen 3:0 (0:0)
Hinein! Emil Jula trifft.Foto: dpa

Beim Halbzeitpfiff legte sich lähmende Hoffnungslosigkeit über das Stadion der Freundschaft. Beim Stand von 0:0 war Energie Cottbus Tabellenletzter und in die Zweite Bundesliga abgestiegen. 45 fulminante Minuten später lagen sich 20 140 Zuschauer in den Armen. Die Cottbuser hatten Bayer Leverkusen nach einer begeisternden zweiten Hälfte 3:0 besiegt, sich damit in letzter Sekunde auf den 16. Rang verbessert und wieder einmal bewiesen, dass der Klub das Geschäft Abstiegskampf so gut beherrscht wie wohl niemand anders in Deutschland.

In den Relegationsspielen am Donnerstag und Sonntag gegen den Dritten der Zweiten Liga, Nürnberg oder Mainz, haben die Lausitzer die Chance, den Klassenerhalt noch zu erreichen. „Wenn man ehrlich ist, muss man sagen: Das ist ein Geschenk für uns“, sagte der Cottbuser Verteidiger Daniel Ziebig. „Ich kann es immer noch nicht richtig glauben.“

Die Cottbuser Klubverantwortlichen hatten angeordnet, dass keine Zwischenstände von den Spielen der Abstiegskonkurrenten Mönchengladbach, Karlsruhe und Bielefeld im Stadion durchgesagt oder auf der Anzeigetafel gezeigt werden sollten. So bekam der Großteil der Zuschauer auch nicht mit, dass der Konkurrent Bielefeld bereits in Führung ging, ehe das Spiel in Cottbus überhaupt angepfiffen war. Wenig später schien die Nachricht aber wohl doch durchgesickert zu sein: Im Laufe der ersten Hälfte wurde es immer leiser im Stadion.

Zunächst aber war Energie Cottbus mit dem Mut der Verzweiflung ins Spiel gestartet. Leverkusens Torhüter René Adler hingegen begann eher mit der Sorglosigkeit eines Spielers, der schon das DFB-Pokalfinale im Kopf hat: Kurz nach Anpfiff rollte Adler dem Cottbuser Stiven Rivic den Ball direkt vor die Füße. Der Kroate aber schlenzte den Ball von der Strafraumgrenze am leeren Toren vorbei.

Danach überboten sich die Cottbuser Jiayi Shao, Stiven Rivic und Emil Jula in Abwesenheit der verletzten besten Torjäger Dimitar Rangelow, Branko Jelic und Ivica Iliev an Wirkungslosigkeit. Leverkusen hingegen kam immer wieder durch Konter zu Chancen. „Cottbus hatte keine Mittel gegen uns“, sagte Leverkusens Trainer Bruno Labbadia. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis wir das Tor machen.“ Dann aber beging Arturo Vidal eine „Dummheit“, wie Labbadia sagte. Der bereits verwarnte Chilene sah kurz vor der Pause nach einem Foul die Gelb-Rote Karte. Für das Cottbuser Publikum war der Platzverweis zu diesem Zeitpunkt der einzige Grund für Optimismus: Bielefeld und Karlsruhe lagen in Führung.

Die Stimmung im Stadion änderte sich fünf Minuten nach Wiederanpfiff schlagartig: Leverkusens Verteidiger Karim Haggui ließ sich in einem Laufduell von Emil Jula übertölpeln, der den Ball zum 1:0 ins Tor schob. Der überraschende Treffer verwandelte das Stadion: Plötzlich sangen die Zuschauer. Und als auch noch die Nachricht von Hannovers Ausgleich in Bielefeld bekannt wurde, flogen gefüllte Bierbecher auf den Rasen.

Die Leverkusener schienen von der Kulisse beeindruckt. Nach einem Konter überwand Rivic Adler zum 2:0. Jula traf sogar zum 3:0. Die Nachricht, die sich dann aus Bielefeld explosionsartig verbreitete, steigerte den Jubel weiter: Hannover war in Führung gegangen. Trotzdem drängten die Cottbuser auf ein viertes Tor, das den Relegationsplatz aufgrund der besseren Tordifferenz gegenüber der Arminia auch bei einem knappen Bielefelder Sieg gesichert hätte. Die Chance dazu bot sich Skela in der Schlussminute. Doch der Albaner verschoss einen Strafstoß.

Aber die Spannung entlud sich in einem kollektiven Jubelschrei, als die Nachricht vom 2:2-Endstand in Bielefeld gekommen war. Energie-Trainer Bojan Prasnikar freute sich kurz, dann setzte er gleich wieder eine ernste Miene auf. „Morgen fahre ich nach Nürnberg“, sagte er. „Die Arbeit geht weiter.“

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