Sport : In Mannschafts-Pferdestärke

Trotz mancher Probleme beim CHIO reisen die deutschen Reiter optimistisch zu den Olympischen Spielen

Andreas Morbach[Aachen]

Vor Olympischen Spielen haben gerade bekanntere Sportler neben der normalen Vorbereitung auch so manchen Gelegenheitsjob zu erledigen. Das kann zwar nervig sein, bei Meredith Michaels-Beerbaum beförderten die Sondereinheiten aber ein ganz neues Talent zu Tage. Weil die weltbesten Reiter im August in Hongkong, der Sonderverwaltungszone der Volksrepublik China, in den Sattel steigen, musste die gebürtige Kalifornierin für ein Werbefilmchen auch zwei Sätze auf Chinesisch auswendig lernen.

Einer davon lautete „Der Reis ist kalt“, und die kleine, blonde Frau soll sich beim Sprachtraining für Olympia beinahe so geschickt angestellt haben wie beim Springreiten. Ihrer eigentlichen Profession ging die 38-Jährige gestern Nachmittag beim Großen Preis von Aachen wieder nach: Am Ende eines dramatischen Stechens mit acht Paaren war Michaels-Beerbaum mit ihrem Wallach Shutterfly zwar fehlerlos geblieben, aber trotzdem nur Fünfte – hinter dem siegreichen Niederländer Albert Zoer auf Sam, der um den Wimpernschlag von vier Hundertstelsekunden schneller war als der vierfache Olympiasieger Ludger Beerbaum aus Riesenbeck auf All Inclusive.

Für die Reiterspiele in Hongkong war die amtierende deutsche Meisterin Meredith Michaels-Beerbaum schon vor dem Schlusstag des CHIO gesetzt – ebenso wie ihre männlichen Kollegen Beerbaum, Christian Ahlmann und Marco Kutscher, mit denen sie am Donnerstag den Nationenpreis gewonnen hatte. Schon da erschienen Kurt Gravemeier die Tage von Aachen wie ein ausgiebiges vorolympisches Entspannungsbad. „Es ist sehr beruhigend“, betonte der zuständige Bundestrainer, „wenn man Reiter in der Mannschaft hat, die gleich zwei gute Pferde zur Verfügung haben.“ Zu den Reiterspielen darf jeder trotzdem nur ein Pferd mitnehmen: Ab dem 17. Juli müssen die Tiere für eine Woche in Quarantäne, gleich danach geht es zur Akklimatisierung ins heiße Hongkong.

Im Gegensatz zu den relaxten Springreitern wie etwa Marco Kutscher („Ich habe drei superstarke Kollegen im Team“) war Isabell Werth gestern nur mit sich selbst im Reinen. In Abwesenheit ihrer schärfsten Konkurrentin Anky van Grunsven gewann Deutschlands beste Dressurreiterin nach dem Mannschaftstitel auch den Großen Preis. Ihren insgesamt zehnten Einzelerfolg in Aachen genoss Werth („Diese Woche ist sensationell gelaufen, besser geht es nicht“) dabei durchaus, die Platzierungen der Kolleginnen Nadine Capellmann (7.) und Heike Kemmer (11.) veranlassten die 38-Jährige jedoch zu einer unüberhörbaren Warnung: „Wir müssen jetzt im eigenen Kämmerlein versuchen, unsere Fehler abzustellen.“

Noch fraglich ist die Olympia-Nominierung der Vielseitigkeitsreiterin Bettina Hoy. Für den Fall, dass ihr verletzter Schimmel Ringwood Cockatoo den angeordneten Gesundheitstest in Hünxe am nächsten Wochenende besteht, plant die 45-jährige Hoy jedenfalls einen tiefen Blick ins Glas. „Dann“, kündigte sie entschlossen an, „genehmige ich mir einen.“

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