Sport : In Schumachers Spur

Ferrari richtet sich für weitere fünf Jahre ganz auf Fernando Alonso aus – Vettel muss warten

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Der Meister denkt. Fernando Alonso kennt keinen besseren Ort als Ferrari. Foto: dpa Foto: dpa
Der Meister denkt. Fernando Alonso kennt keinen besseren Ort als Ferrari. Foto: dpaFoto: dpa

Rennfahrer sind doch irgendwie alle gleich. Es ist gar nicht so lange her, da verkündete Fernando Alonso, er werde bestimmt nicht noch mit Mitte 30 im Kreis herumfahren wie Michael Schumacher es im Ferrari tat. Er habe dann Besseres zu tun. Nun ist zumindest klar, was der Spanier mit 35 Jahren tun wird: im Ferrari im Kreis herumfahren. Vor dem Großen Preis von Spanien am Sonntag gab der 29-Jährige bekannt, dass er seinen Vertrag beim italienischen Rennstall bis 2016 verlängert hat. „Ich empfinde Ferrari als meine zweite Familie“, sagte Alonso. „Ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen, um Formel 1 zu fahren und habe immer gesagt, dass ich meine Karriere hier beenden will. “

Der begehrteste Platz der Formel 1 ist damit für ein halbes Jahrzehnt besetzt. Das ist auch nicht uninteressant für Sebastian Vettel. Der ist bis 2014 vertraglich an Red Bull gebunden, hat aber des öfteren von seinem Traum berichtet, im roten Renner aus Maranello zu fahren. Die Nachricht von Alonsos Vertragsverlängerung nahm der Weltmeister mit betonter Gleichgültigkeit zur Kenntnis: „Ich habe nie gesagt, dass es unmöglich ist, so lange Fernando Alonso, Felipe Massa oder sonst wer dort unter Vertag steht. Meines Wissens besteht ein Team immer aus zwei Fahrern.“ Aber der Heppenheimer weiß auch, dass ein Team mit Alonso an Bord eigentlich nur aus einem Piloten besteht. Der uneingeschränkte Führungsanspruch des zweimaligen Weltmeisters duldet maximal einen Wasserträger neben sich.

Mit dem Alleinherrscher Alonso kehrt Ferrari endgültig zur Konstellation zurück, die einst mit Michael Schumacher und seinen diversen Zuarbeitern zu fünf WM-Titeln führte. Auch unter Alonso ist Felipe Massa, der schon dem Deutschen dienen musste, spätestens seit der Stallorderaffäre 2010 in Hockenheim zum Sidekick degradiert worden. Dafür, dass alle Konzentration nun Alonso gilt, spricht auch, dass Ferraris Präsident Luca di Montezemolo seinen Star als Fahrer mit dem „stärksten Charakter“ lobte. Alonso verfüge über „alle technischen und menschlichen Qualitäten, um Teil der Ferrari-Geschichte zu sein, die hoffentlich um neue Erfolge reicher werden wird“.

Immer noch gilt er vielen als bester, weil komplettester Fahrer. Neben dem Drehen am Lenkrad beherrscht Alonso auch das Taktieren auf jeder Ebene perfekt. In kürzester Zeit hat er die komplette Ferrari-Mannschaft auf sich ausgerichtet. Das Dauerabo auf das Cockpit mit dem springenden Pferd ist nur ein weiterer Beleg dafür, wie vereinnahmend Alonso ist. Auch das ist übrigens eine Parallele zu seinem Vorgänger Schumacher, der ebenfalls eine Ära bei Ferrari geprägt hatte.

Obwohl er es eigentlich nicht wollte, ist Alonso nun doch in den Reifenspuren des Kerpeners unterwegs. 2016 wird er bereits 35 sein, nur zwei Jahre jünger als Schumacher bei seinem ersten Rücktritt, aber „vielleicht werde ich noch einmal verlängern“, sagte Alonso. In Altersfragen sollte er vielleicht einmal Rücksprache mit Schumacher halten. Und Sebastian Vettel wird sich dann wohl ganz ungefragt in diese Debatte einschalten.

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