Sport : "In unserem Sport wird sehr viel gedopt"

Chris-Carol Bremer,Mark Warnecke fordern versc

Thomas Rupprath über öffentliches Engagement gegen Doping, schärfere Kontrollen und Probleme mit dem Verband

Thomas Rupprath (22) brach am Sonnabend über 200 m Delphin auf der Kurzbahn den letzten deutschen Schwimmrekord, den der frühere Olympiasieger Michael Groß noch hielt. Die Erfolge des Europameisters aus Neuss haben bereits einen selbst ernannten Sportmanager auf die Idee gebracht, sich beim Deutschen Patentamt in München alle Rechte am Namen Thomas Rupprath sichern zu wollen. Der Weltekordler und Europameister wehrte sich mit Erfolg. Rudi Böhm und Rolf Meutgens unterhielten sich mit Thomas Rupprath über die Bemühungen der deutschen Nationalmannschaft gegen Doping im Schwimmsport.

Chris-Carol Bremer und Mark Warnecke fordern verschärfte Dopingkontrollen. Was halten Sie und die Mannschaft davon?

Die Nationalmannschaft steht hinter den beiden, und wir sind der Meinung, dass ihre Forderungen auch fundiert sind. Man hat aber das Gefühl, dass beide permanent vor verschlossenen Verbandstüren stehen. Das ist schade, denn wir sind die Mannschaft, und wir müssen akzeptiert werden.

Wie sieht es denn mit Ihrer Forderung nach der Erstellung und Veröffentlichung eines Langzeitsteroidprofils aus?

Diese Forderung haben wir schon anlässlich der Weltmeisterschaft in Perth schriftlich fixiert. Wir erwarten, dass dies jetzt im DSV umgesetzt wird. Ich glaube, dass es bei weltweiter Anwendung eine ganze Menge an Athleten geben würde, die ihren Badeanzug oder ihre Badehose an den Nagel hängen, denn ich bin der Meinung, dass sehr viel in unserem Sport gedopt wird.

Nennen Sie Namen?

Ich würde für keinen meine Hand ins Feuer legen, dafür gibt es zu viele Auffälligkeiten, die ich nicht näher ausführen möchte. Erschwerend kommt hinzu, dass zum Beispiel ein Trainer bei der WM vor versammelter Mannschaft erklärt: "Ich habe mit Doping nichts zu tun gehabt." Später ist er dann in Berlin angeklagt und verurteilt worden. Das hilft wenig, ein Vertrauensverhältnis zu Trainern aufzubauen oder das Problem Doping vernünftig in den Griff zu bekommen.

Es wurde veröffentlicht, Bremer und Warnecke hätten sich bei der Nationalmannschaft entschuldigt. Entschuldigt wofür?

Sie haben sich ausschließlich dafür entschuldigt, dass Aktive auf ihre Äußerungen angesprochen worden sind, bevor sie von ihnen selbst informiert wurden. Sie haben sich aber nicht für ihre Äußerungen oder für ihr Vorgehen entschuldigt.

Also werden beide von der Mannschaft unterstützt?

Natürlich. Die Mannschaft hat beide zu Aktivensprechern gewählt, damit sie im Sinne der Mannschaft handeln, und die Mannschaftssitzung in Sheffield hat ja gezeigt, dass das, was Chris-Carol und Mark getan haben, von der gesamten Mannschaft unterstützt wird. Zum anderen wäre es auch organisatorisch nicht möglich gewesen, alle zeitgleich im Vorfeld zu informieren.

Gab es überhaupt keine Kritik innerhalb der Mannschaft?

Jeder sollte sich überlegen, wie viel Freizeit für dieses Engagement von Chris-Carol und Mark draufgegangen ist. Beide bemühen sich seit langem nach besten Kräften, das Problem Doping besser in den Griff zu bekommen, um dadurch die Gesundheit der Aktiven zu schützen und dem Ansehen des Schwimmsports zu helfen. Dafür gab es bislang nur negative Reaktionen. Innerhalb der Mannschaft wird dann ausgerechnet von denen, die in der Vergangenheit bereits Probleme mit Doping hatten, permanent gefordert, es sollten Namen genannt werden.

Auch Simone Osygus hat sich in der Öffentlichkeit gegen Doping engagiert. Im vergangenen Jahr ist sie mehr als 30 Mal kontrolliert worden. Das ist schon eine auffällige Steigerung. Wie wird es Ihnen denn in Zukunft ergehen?

Von mir aus kann jeden Tag ein Kontrolleur vor der Tür stehen. Simone Osygus hat ja auch gesagt, dass man erwarten kann, dass diejenigen, die sich in dieser Art engagieren, sauber sind. Vielleicht könnte man das Geld für diese Kontrollen sinnvoller ausgeben. Wenn ich mich engagiere, öffentlich äußere und dabei nur für mich spreche, habe ich ein Recht auf eine freie Meinungsäußerung. Vielleicht vergessen das einige.

Bei den Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften in Fulda hat jemand eine ungebrauchte Spritze in die Tasche von Mark Warnecke gelegt. Wie denkt die Mannschaft darüber?

Das ist genauso dumm wie unfair. Das hat nichts mehr mit Sport zu tun. Aber darüber ist innerhalb der Mannschaft nicht gesprochen worden. Jedem sollte doch bewusst sein, dass so eine Aktion dem Schwimmsport nur schaden kann.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben