Sport : In Unterzahl an der Bande

Deutsche Trainer sind im Eishockey kaum gefragt – nach Bernhard Englbrechts Entlassung in Kassel sind es in der DEL nur noch drei

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Berlin - Am Spieler Dieter Hegen kam kaum jemand vorbei. Nicht nur auf dem Eis. Der Stürmer hatte einen Bekanntheitsgrad im Lande, den heutzutage in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) kein Profi erreicht. Natürlich, der Techniker mit Torgarantie hatte den Vorteil, dass seine 290 Spiele mit dem Nationalteam einem breiten Publikum nicht verborgen blieben. „Eishockey spielte im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit eine größere Rolle, die Weltmeisterschaften wurden in ARD und ZDF übertragen“, sagt Hegen. In den neunziger Jahren sei der Sport „von der großen Bildfläche verschwunden“ – nach dem Bosman-Urteil, als deutsche Spieler in der DEL zur Rarität wurden.

Am Trainer Dieter Hegen kommt man schon noch vorbei, wenn man sich nicht für Eishockey interessiert. Denn da ist die Biografie des 43 Jahre alten Kaufbeurers eher schmal. Seit vier Jahren betreut er den EV Duisburg, schaffte mit dem kleinen Klub aber immerhin in der Vorsaison den Aufstieg und kämpft nun mit Duisburg in der DEL gegen den Abstieg. „Etwas anderes ist auch nicht machbar, mit einem Etat von drei Millionen Euro.“ Hegen sagt dies nicht etwa frustriert. „Denn es ist eine interessante Aufgabe.“ Und es ist eine Chance, sich zu profilieren – als deutscher Trainer. Denn die DEL hat nach schlechten Erfahrungen in den Neunzigern zwar nach eingeführter Ausländerbeschränkung wieder mehr deutsche Spieler, nur hinter den Spielerbänken wird kaum deutsch gesprochen. Die Kassel Huskies haben trotz massiver Proteste – Kapitän Tobias Abstreiter hat sogar den Verein verlassen – Bernhard Englbrecht entlassen. Nun gibt es bei den 14 DEL-Klubs nur drei deutsche Trainer: Hegen, Hans Zach in Köln und den in Kanada geborenen Hamburger Coach Mike Schmidt.

Dieter Hegen hält dies für ein Problem, „zumal es unterhalb der DEL viele deutsche Trainer gibt“. Bekannte ehemalige Spieler wie Peter Draisaitl oder Erich Kühnhackl sind darunter, doch in der DEL hat ihr Name keinen Klang. Sie haben ihre Karrieren eben nicht im nordamerikanischen Profi-Eishockey begonnen, wie viele ausländische Kollegen in der DEL. Und dann zeigen viele deutsche Trainer angesichts der prominenten Konkurrenz in der DEL ihr Selbstbewusstsein auch nicht so wie Hegen. Der hat schon mal verkündet, dass er Bundestrainer werden will. „Man muss doch Ziele haben. Ich will ja nicht heute Bundestrainer werden, aber vielleicht in zehn Jahren.“

Von deutschen Trainern wird besonderes Durchsetzungsvermögen verlangt. Bei fast allen DEL-Teams sind Nordamerikaner die Stars, und die haben eher Respekt vor einem renommierten Landsmann als vor einem Deutschen. Hegen ist eine Ausnahme: „Meine Erfolge als Spieler helfen mir bei der Arbeit. Die Spieler wissen schon, wovon ich rede, ich erreiche die Mannschaft.“ Doch bis Hegen hinter der Bande einen Status hat wie Hans Zach, dürfte es noch dauern. Zach, dreimal Meister mit Düsseldorf, ist der bestbezahlte Coach der Liga. Auch der einstige Bundestrainer wünscht sich „mehr deutsche Trainer“, betont aber, dass die Eishockeylehrer aus dem Ausland „alles ehrenwerte Menschen und gute Trainer sind, die dem deutschen Eishockey Impulse bringen“.

Einer der ehrenwerten Menschen ist Pierre Pagé, Trainer der Berliner Eisbären, die heute gegen Hegens Duisburger spielen (19 Uhr 30 Sportforum, live auf Premiere). Die Ursachen für den Mangel an deutschen Trainern in der DEL sind für den Kanadier offensichtlich. „Da findet zu wenig Austausch statt, der Eishockey-Bund kümmert sich zu wenig um seine Trainer“, sagt er. „Junge deutsche Trainer müssten ins Ausland gehen, um dort etwas zu lernen. Ich war 1974 einer von 100 kanadischen Coachs, die in Russland hospitiert haben, und heute arbeite ich ja auch nicht in meiner Heimat.“ Von den bekannten deutschen Trainern hat nur Hans Zach einen Gastarbeiterjob in Zürich hinter sich. „Die deutschen Spieler müssen doch auch mit Spielern aus den weltbesten Nationen wie Kanada oder Tschechien konkurrieren, also müssen die Trainer das auch“, sagt Pagé. „Wenn ich mit diesen Ländern mithalten will, dann muss ich auch wissen, was die in der Trainingsmethodik machen.“ Erst wenn das der Fall sei, kämen auch die Klubverantwortlichen in der DEL nicht an den deutschen Trainern vorbei.

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