Sport : "In vier Jahren hole ich eine Medaille"

Herr Mizoguchi[es hatte im dritten Lauf nicht so]

Renato Mizoguchi ist Rodler. Der 26-Jährige stammt aus Brasilien und hat eine japanische Großmutter. Mit dem Geld, das er in Japan in einer Fabrik für Autozubehör verdiente, finanzierte er sich seine Reise zum Rodelweltcup in Europa. Sein Mannschaftskamerad Ricardo Raschini sagt über ihn: "Er ist ein Träumer."

Herr Mizoguchi, es hatte im dritten Lauf nicht so ausgesehen, als ob Sie heil durch den Eiskanal kommen würden. Im Ziel haben Sie dann um so intensiver gelubelt. Etwa, weil Sie die Schleuderfahrt überlebt haben?

Ich habe gejubelt, weil ich die Ziellinie überquert habe. Mann, ich kann das noch nicht glauben, ich bin ein olympischer Athlet.

Aber kein erfolgreicher, nur zwei Taiwanesen schleuderten noch langsamer durch die Eisrinne. Wie kommt überhaupt ein Brasilianer zum Rennrodeln?

Ich wohne seit sieben Jahren in Japan. In Nagano bin ich zum ersten Mal gerodelt. Und gleich gestürzt.

Trotzdem rodeln Sie noch?

Zuerst wollte ich nie mehr auf die Bahn. Ich bin auf die Stirn gefallen, einen halben Tag lang war nichts mehr in meinem Kopf. Aber dann habe ich in Nagano im Zielraum auf einem Schild die Olympischen Ringe gesehen. Und in diesem Moment dachte ich: Ich muss weitermachen.

Es sah aber sehr gefährlich aus, als ihr Schlitten im Eiskanal vorne hoch stand.

Ach, ich habe mich noch nie schwer verletzt. Nur einmal ist der Schlitten bei einem Sturz zerbrochen. In so einer Situation wie im dritten Lauf muss man den Schlitten festhalten, das habe ich in Japan gelernt.

Wie populär sind Sie als Rodler in Brasilien, kennt man Sie überhaupt?

Vielleicht jetzt. Das ist ja mein Traum, ich möchte bekannt werden. Und dann möchte ich den Leuten helfen, allen Leuten. Die Amerikaner haben mir auch sehr geholfen. Ich mag Amerika, ich mag ihre Landsleute.

Aber der Tagesspiegel ist eine Zeitung in Deutschland.

Deutschland? Ich mag Deutschland. In Winterberg habe ich mich für die Olympischen Spiele qualifiziert, die Leute haben mir applaudiert, als ich mich darüber gefreut habe.

Hier haben Sie sich über Platz 46 gefreut. Lässt sich das noch verbessern?

In acht Jahren möchte ich eine Medaille holen. Ich bin sehr gut. Ich schlafe jetzt.

Sie schlafen?

Ja, das habe ich hier gelernt. Im ersten Lauf habe ich immer den Kopf hoch genommen, um die Bahn zu sehen. Jetzt lasse ich ihn unten. Ich schlafe jetzt.

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