Sport : Indiens Liebling

Formel-1-Weltmeister Vettel siegt zum vierten Mal in Folge und setzt sich weiter vom Titelrivalen Alonso ab.

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Kalte Dusche. Einst hatte Ferrari-Pilot Alonso (r.) 44 WM-Punkte Vorsprung, nun liegt er 13 Zähler hinter Vettel. Foto: dapd
Kalte Dusche. Einst hatte Ferrari-Pilot Alonso (r.) 44 WM-Punkte Vorsprung, nun liegt er 13 Zähler hinter Vettel. Foto: dapdFoto: dapd

Sebastian Vettel scheint derzeit alles zuzufliegen. Nicht nur auf der Strecke, sondern auch, wenn es um die Sympathien der Fans geht. Mit seinem zweiten Sieg in Indien nach 2011 wurde der Formel-1-Weltmeister auf dem Buddh International Circuit endgültig zum Helden der Inder, die auch seine Art, sich mit dem Land zu beschäftigen, sehr schätzen. „Für jeden, der noch nicht hier war, ist das schwierig zu verstehen“, sagte Vettel nach seiner Triumphfahrt. „Zum einen die kulturellen Unterschiede und zum anderen die Umstände, unter denen die Leute teilweise leben. Trotzdem sind die Menschen glücklich, während bei uns die Erwartungen sehr hoch sind und deshalb auch enttäuscht werden können.“ Für solche und ähnliche Gedanken bekam er zeitweise sogar spontanen Applaus von indischen Journalisten.

Den Applaus der Zuschauer hatte er sich kurz zuvor für seine Fertigkeiten am Lenkrad abgeholt. Souverän hatte er den Großen Preis von Indien vor seinem Titelrivalen Fernando Alonso im Ferrari und seinem Red-Bull-Kollegen Mark Webber gewonnen. Mit seinem 26. Grand-Prix- Sieg überholte der Heppenheimer die Legenden Jim Clark und Niki Lauda in der ewigen Bestenliste. Zum ersten Mal in seiner Karriere überhaupt gewann er vier Rennen in Folge. Das gab es in der Geschichte der Formel 1 erst 16-mal, und jeder Fahrer, dem das gelang, der wurde in dem Jahr auch Weltmeister. „Ich hoffe, diese historische Serie reißt dann jetzt nicht“, meinte Red Bull-Teamchef Christian Horner lächelnd.

In Indien war Vettels Sieg nie gefährdet. Nur beim Start kam ihm Teamkollege Webber nahe, doch der Australier ging den Weg in Kurve eins nicht zu aggressiv an und steckte zurück. „Beim Start war Mark ein wenig besser“, räumte Vettel ein. „Ich war etwas zu konservativ. Zum Glück ist der Weg zur Kurve eins recht kurz und ich konnte etwas später bremsen.“

Bei nur noch drei ausstehenden Rennen und 13 Punkten Vorsprung auf Alonso stehen Vettels Chancen auf den dritten Titeltriumph in Folge gut. Doch der Weltmeister blieb bescheiden. „Das war sicherlich ein guter Schritt in Richtung Titel, doch die Dinge können sich schnell ändern“, zeigte sich Vettel gewohnt defensiv. „Ich bin stolz und glücklich, aber das war heute, und jetzt konzentrieren wir uns auf das nächste Rennen in Abu Dhabi.“

Der Zweitplatzierte Fernando Alonso musste sich auf dem Siegerpodest widerwillig der Sektdusche von Vettel beugen. Allerdings war das durchaus ein Erfolg für den Spanier. Platz zwei war nach Startplatz fünf das Maximum an diesem Tag. Dass der Ferrari-Pilot sich zwischen die Red Bulls schieben konnte, verdankte er erstens seinem enormen Kampfgeist in der Startphase, als er sich vor die McLaren-Piloten Lewis Hamilton und Jenson Button schob. „ Die Jungs haben gegeneinander gekämpft und mich komplett vergessen“, stichelte der Spanier. „Die Atmosphäre bei McLaren scheint momentan nicht die beste zu sein.“ In der Endphase hatte er dann auch noch ein bisschen Glück, dass beim Red Bull von Mark Webber ein Problem mit dem Zusatzenergiesystem Kers auftauchte. Alonso konnte so am Australier vorbeiziehen.

Abgesehen von Sebastian Vettels Sieg war es ein schlechter Tag für die deutschen Piloten. Nur Nico Hülkenberg schaffte es in die Punkte. Der Force-India-Pilot eroberte nach einem erneut starken Rennen Platz acht und hielt den am Ende heftig attackierenden Romain Grosjean im Lotus in Schach.

Dagegen erlebte Mercedes erneut ein Desaster. Nico Rosberg wurde nur Elfter. Im Kampf um Platz zehn ließ ihn Bruno Senna im Williams förmlich stehen. „Ich habe voll attackiert und dann fliegt Senna vorbei“, sagte Rosberg sichtlich frustriert. „Nichts gegen Bruno, aber dass Williams uns hier derartig wegputzt …“

Noch schlimmer erging es Michael Schumacher. Für ihn, den scheidenden Rekordweltmeister, war das Rennen im Prinzip schon am Start beendet. Toro-Rosso- Pilot Jean-Eric Vergne, den er in Singapur noch selbst unsanft von der Strecke befördert hatte, traf seinen Hinterreifen. Nach dem Reifenwechsel war Schumacher Letzter. „Danach waren wir zwischenzeitlich recht gut unterwegs, aber natürlich war das alles nicht so das Gelbe vom Ei“, sagte er. Kurz vor Rennende gab Schumacher dann in aussichtsloser Position auf – so darf Mercedes beim nächsten Rennen straffrei das Getriebe wechseln. Zumindest um eine weitere Demütigung kam Schumacher aber herum. Die Regelhüter hatten gegen ihn eine Untersuchung wegen Missachtens der Blauen Flagge beim Überrunden angeordnet – angeblich soll er Romain Grosjean behindert haben. Doch nach der Anhörung verzichteten die Sportkommissare auf eine Bestrafung.

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