Sport : Internes Vorrecht

Nach dem Wechsel von Trainer Hecking setzt der 1. FC Nürnberg auf das Duo Wiesinger/Reutershahn.

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Alles für den Club. Michael Wiesinger übernimmt beim 1. FC Nürnberg. Foto: ddp
Alles für den Club. Michael Wiesinger übernimmt beim 1. FC Nürnberg. Foto: ddpFoto: dapd

Nürnberg - Auch Martin Bader hat die Aufrufe in den diversen Fan-Foren gelesen. Er solle doch Lothar Matthäus als neuen Trainer holen, steht da geschrieben – oder wenigstens einen anderen namhaften Coach. Matthäus sei schließlich Franke, heißt es dort. „Allen, die sich in diese Richtung Gedanken gemacht haben, haben wir eine Frage gestellt: Wozu?“, kontert der Manager des 1. FC Nürnberg. „Die Antwort ist einfach: Es besteht kein Grund dazu. Trainer-Wechsel in der Winterpause bedeuten normalerweise: Da stimmt was nicht im Kader oder mit dem Trainer und du hast zwölf oder dreizehn Punkte. Bei uns stimmt’s aber, wir haben ehrliche 20 Punkte und die Mannschaft hat sich selbst aus einer tiefen Krise herausgearbeitet.“

Zu einem Trainerwechsel war Bader kurz vor Weihnachten gezwungen, als am 20. Dezember Dieter Hecking anrief und schnell klar wurde, dass der Mann, der vor drei Jahren in Nürnberg angeheuert hatte, zum VfL Wolfsburg wechseln würde. Bader wird nun wegen seiner internen Lösung als mutig beschrieben. „Uns war es wichtig, so gut wie möglich Kontinuität zu wahren. Deshalb haben wir uns zur Lösung mit Michael Wiesinger und Armin Reutershahn entschieden und das ziemlich schnell.“ Am 24. Dezember verkündete der Club die vorerst bis zum Sommer gültige Variante mit dem bisherigen U-23-Trainer Wiesinger und dem bisherigen Assistenten Reutershahn. „Es ist ein ähnliches Modell wie in Leverkusen“, sagt Bader. Mit dem 39 Jahre alten Wiesinger als „endgültigem Entscheider“.

Auf Moraldiskussionen rund um Dieter Hecking wollte sich Martin Bader unterdessen nicht einlassen. „Damals, als er kam, hatten wir zwölf Punkte, da muss man eine solche Ausstiegsklausel schlucken. Da bleibt sicher was in den Kleidern hängen, wir hätten es runder gefunden, er wäre erst im Sommer gegangen", sagte Bader. Und weiter: „Da hilft nur: Strich drunter und weiter machen.“

Bader informierte einige der Führungsspieler und erntete Zustimmung für den Leverkusener Versuch unter Nürnberger Bedingungen. „Bis Sommer machen wir jetzt so weiter und ich bin optimistisch“, betont Bader. Das Duo Wiesinger/Reutershahn stehe für Kontinuität und frischen Wind. „Beide kennen den Verein und fühlen sich wohl mit der Idee. Und wir haben Zeit, uns das bis Sommer anzuschauen.“ Nun glaubt Bader an den Erfolg der Mission, obwohl weder Wiesinger noch Reutershahn die Herkunftsvorteile von Lothar Matthäus genießen. Wiesinger kommt aus dem oberbayrischen Burghausen, Reutershagen (seit 2009 beim 1. FC Nürnberg) ist Duisburger.

Ob Martin Baders Konzept aufgeht? Zumindest erscheint es sehr gewagt. Vorerst darf man ihm aber abnehmen, dass er nach den relativ ruhigen drei Jahren unter Dieter Hecking nicht allzu erpicht war auf überdrehtes Medienspektakel á la Lothar Matthäus. Der Rekordnationalspieler hätte womöglich wie Wiesinger argumentiert und gesagt, er begreife den Job als „große Chance“ und traue sich den Job zu, ab dem 3. Januar Chef beim Club zu sein. „Wir haben in meinen neun Jahren in Nürnberg manchen Sturm überstanden. Ich bin fest überzeugt, dies hier wird gar keiner. Wir wurden kalt erwischt und haben darauf reagiert", sagt Bader. Sein Vertrauen ist groß. „Was glauben Sie, wer sich bei uns alles beworben hat? Aber wir brauchen keinen von außen. Unsere beiden haben nicht nur die Lizenz, sondern auch alles andere, was nötig ist. Denen liegt der Club am Herzen.“ Das muss in Nürnberg vorerst Lokalkolorit genug sein. Oliver Trust

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