Interview : "Hoffenheim? Das passt alles“

Axel Roos wurde 1998 mit Kaiserslautern als Aufsteiger Meister. Das traut er auch Hoffenheim zu - falls die Psyche mitspielt.

Axel Roos und Ratinho
Die Helden von Kaiserslautern Axel Roos (links) und Ratinho in der Meister-Saison 1998.Foto: dpa

Herr Roos, haben Sie schon Angst?

Angst, wovor sollte ich Angst haben?

Dass Sie Ihren Status der Einzigartigkeit verlieren. Sie sind 1998 als Aufsteiger mit dem 1. FC Kaiserslautern Deutscher Meister geworden.

Sie werden es nicht glauben: Als ich am Sonntag im Fernsehen das Spiel der Hoffenheimer gegen Hamburg gesehen habe, habe ich wirklich gedacht, es könnte vielleicht wieder passieren. Otto Rehhagel …

… Ihr damaliger Trainer …

… hat nach unserer Meisterschaft gesagt: Das wird immer einzigartig bleiben. Aber vielleicht wiederholt es sich jetzt. Man muss sich nur die Tabelle anschauen, vor allem das Torverhältnis der Hoffenheimer. Ich achte meistens aufs Torverhältnis. Das sagt einiges.

Würden Sie es bedauern, wenn Hoffenheim den Titel holt?

Nee, es freut mich sogar, was da passiert. Hoffenheim liegt auch hier in der Region. Ich kann die Leute nicht verstehen, die den Verein anfeinden und ihre Parolen gegen Dietmar Hopp raushauen. Natürlich haben die Hoffenheimer viel Geld, aber sie setzen es auch professionell ein und arbeiten mit Verstand. Die Strukturen passen. Ganz so unverhofft kommt der Erfolg für mich nicht.

Die Hoffenheimer spielen ihre erste Saison überhaupt in der Bundesliga, sie sind 1997 nach nur einem Jahr in der Zweiten Liga sofort wieder aufgestiegen. Kann man die Situation überhaupt vergleichen?

Der Abstieg war für uns so etwas wie ein Betriebsunfall. Wir hatten in dieser Saison viele Verletzte, und dann kamen auch noch die Platzverhältnisse hinzu.

Die Platzverhältnisse?

Der Rasen auf dem Betzenberg war so miserabel, dass man darauf eigentlich überhaupt nicht mehr Fußball spielen konnte. Ich habe in der Winterpause gesagt, der Rasen muss unbedingt ausgetauscht werden. Aber dem Vorstand war das Geld zu schade. Der Platz hat uns bestimmt drei, vier Punkte gekostet. Damit wären wir in der Liga geblieben. Wir haben jedenfalls gewusst, dass der Abstieg nichts mit der Qualität unserer Mannschaft zu tun hatte. Genauso wussten wir nach dem Aufstieg, dass wir in der Lage sind, im Mittelfeld der Bundesliga mitzuhalten.

Und dann haben Sie am ersten Spieltag 1:0 bei den Bayern gewonnen.

Der Start spielt immer eine große Rolle, in welche Richtung sich eine Saison entwickelt. Durch den Sieg bei den Bayern hat jeder Spieler von uns zusätzliches Selbstvertrauen gekriegt. Danach ist es fast zum Selbstläufer geworden.

Ab dem vierten Spieltag war Kaiserslautern ununterbrochen Tabellenführer.

Ich kann mich noch an ein Interview nach sieben oder acht Spielen erinnern. Der Fernsehreporter hat mich gefragt: Wo schaut ihr jetzt eigentlich noch hin? – Nach unten, habe ich geantwortet. Oben ist ja keiner mehr. Zu der Zeit wollte niemand bei uns über die Meisterschaft reden. Wir haben uns immer noch als Außenseiter gesehen.

So wie jetzt Hoffenheim.

Finde ich nicht. Hoffenheim ist auch kein typischer Aufsteiger. Die haben schon gegen starke Gegner gespielt und stehen trotzdem oben. Wer den HSV schlägt, darf durchaus Ambitionen haben, Meister zu werden. Ich kann mir gut vorstellen, dass es einen Dreikampf zwischen Hamburg, Hoffenheim und Bayern gibt.

Wann haben Sie damals daran geglaubt, dass es mit dem Titel klappen könnte?

Erst relativ spät. Als wir in der Rückrunde sieben Punkte Vorsprung vor den Bayern hatten, hat sich der eine oder andere bei uns ernsthaft mit der Meisterschaft beschäftigt. Aber das ist ja das Fatale: dass man sich zu schnell in Sicherheit wiegt. Am Ende ist es noch einmal richtig eng geworden. Die mentale Stärke hat damals eine große Rolle gespielt.

Hoffenheim hat im Unterschied zum damaligen FCK eine sehr junge Mannschaft.

Das stimmt. Vielleicht fehlt Hoffenheim ein bisschen die Erfahrung. Aber die jungen Spieler sind unheimlich schnell, sie sind intelligent, und sie können das umsetzen, was Ralf Rangnick von ihnen sehen will. Das passt alles.

Hat Hoffenheim auch die mentale Stärke?

Der Weg ist noch lang. Und wenn es zum Duell zwischen Bayern und Hoffenheim kommt, würde ich vielleicht eher auf die Bayern setzen. Die haben das Knowhow, wie man Meister wird.

Das Gespräch führte Stefan Hermanns.

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