Interview nach WM-Aus : Baseball-Bundestrainer: „Sind nicht gescheitert“

Gregory Frady, seit sechs Jahren Bundestrainer der Baseballer, spricht im Interview mit Tagesspiegel.de über das WM-Aus der deutschen Mannschaft und die Zukunfts-Chancen seiner Sportart.

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Gregory „Greg“ Frady, 46, ist seit 2004 Trainer der deutschen Baseball-Nationalmannschaft. In der Weltrangliste rangiert das Team...Foto: dpa

Herr Frady, Deutschland ist bei der Weltmeisterschaft bereits in der Vorrunde ausgeschieden. Woran ist die Mannschaft letztlich gescheitert?



Ich glaube nicht, dass wir gescheitert sind. Im Gegenteil: Auch wenn wir nicht weiter gekommen sind, war das Turnier ein großer Erfolg für den deutschen Baseball. Man darf nicht vergessen, gegen welch erstklassige Gegner wir gespielt haben. Beim Sieg über China haben wir eine fantastische Leistung gezeigt, aber um gegen die USA oder Venezuela zu bestehen, brauchen wir einfach viel mehr Erfahrung. Natürlich war es unser Ziel, die Zwischenrunde zu erreichen. Das haben wir nicht geschafft, dennoch dürfen wir als Team durchaus stolz auf das Erreichte sein.

Welche Rolle hat das undurchsichtige Reglement bei der Ermittlung der besten Gruppendritten gespielt? Es zählten dabei die kassierten Runs und nicht etwa das Verhältnis aus Punkten und Gegenpunkten.

Das war schon sehr unglücklich und kaum nachzuvollziehen. Mir ist das vollständig erst im vierten Inning des letzten Gruppenspiels gegen Venezuela bewusst geworden. Für mich als Manager war es wirklich schrecklich, damit umzugehen. Wir mussten ja einerseits versuchen, das Spiel zu gewinnen, durften andererseits aber nicht höher als mit zehn Runs Unterschied verlieren. Man muss sich nur mal vorstellen, dass wir bei einer bewusst in Kauf genommenen 0:10-Niederlage nach sieben Innings womöglich weiter gekommen wären. Aber wer, bitte schön, spielt, um zu verlieren?

Was nehmen Sie trotz der verpassten Qualifikation für die Zwischenrunde von dieser WM in Regensburg mit?

Für die deutsche Baseball-Gemeinde war die Weltmeisterschaft ein stolzer Moment, der lange in Erinnerung bleiben wird. Aus dem ganzen Land sind die Fans nach Regensburg gekommen, um ihr Team zu unterstützen. Das Stadion war fantastisch und die Stimmung auf den Rängen unglaublich.

Als Sie vor sechs Jahren den Trainerjob der Nationalmannschaft übernommen haben, sah das noch ganz anders aus. Was hat sich seither getan?

Es hat sich viel zum Positiven verändert. In erster Linie denken die Spieler heute, dass sie jedes Spiel gewinnen können. Das war früher nicht so. Inzwischen hat sich der deutsche Baseball überall Respekt erarbeitet, auch bei Nationen, die uns vor ein paar Jahren noch gar nicht auf der Rechnung hatten. Das Niveau des Sports ist deutlich höher geworden. Baseball wird in Deutschland inzwischen von viel mehr Menschen wahrgenommen.

Was fehlt dem Nationalteam noch zur Weltspitze?

Vor allen Dingen: Zeit, Zeit und nochmals Zeit. Wir müssen einfach viel häufiger gegen große Teams bei wichtigen Turnieren antreten, um auch unter Druck bestehen zu können. Venezuela und die USA haben uns hundert Jahre voraus. Hier in Deutschland wird Baseball doch erst seit 20, 25 Jahren wirklich ernsthaft betrieben.

Wird der Sport diese Zeit bekommen? Die vorläufige Streichung aus dem olympischen Programm spricht eher dagegen.

Es wird dem deutschen Baseball sicherlich nicht helfen, aber es gibt außer Olympia auch noch andere Ereignisse, auf die wir uns konzentrieren können. Damit meine ich zum Beispiel Weltmeisterschaften oder die World Baseball Classic. Die WBC ist ein großes Event, und Deutschland steht kurz davor, zur nächsten Austragung eingeladen zu werden. Baseball wird weiter wachsen und ganz sicher nicht aussterben – auch wenn es aus dem olympischen Programm gestrichen worden ist.

Das Gespräch führte Jörg Leopold.

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