Sport : Ironman: Voll die Härte

Der große Sieg blieb ihnen verwehrt, doch die deutschen Triathleten konnten sich beim legendären Ironman auf Hawaii mit zwei dritten Plätzen und einer glanzvollen Gesamtleistung in der Weltspitze etablieren. Bei den Damen schaffte Nina Kraft aus Braunschweig als erste Deutsche überhaupt in Kailua-Kona den Sprung aufs Treppchen. Bei den Männern meldete sich Thomas Hellriegel aus Bruchsal bei der 25. Auflage im Mekka des Triathlons nach langer Durststrecke als Dritter zurück. Beide kassierten nach der Quälerei in drei Akten bei schwierigsten äußeren Bedingungen ein Schmerzensgeld in Höhe von umgerechnet jeweils 43 000 Mark.

Vier Jahre nach seinem Triumph auf Hawaii zeigte Thomas Hellriegel wieder eine große Leistung und verdrängte aus der starken deutschen Fraktion den Vorjahresdritten Normann Stadler (Pforzheim) sowie Lothar Leder (Darmstadt) und Andreas Niedrig (Oer-Erkenschwick) auf die Plätze vier, fünf und sieben. "Ich bin total froh, denn es war vor allem mental ein schwieriges Rennen. Jeder war für sich allein", sagte der bisher einzige deutsche Hawaii-Sieger im Ziel.

Für den ersten amerikanischen Sieg seit 1995 sorgte nach 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und 42,195 Kilometern Laufen Tim DeBoom. Unter dem Jubel von 30 000 Fans auf dem legendären Alii Drive blieb für ihn nach 8:31:17 Stunden die Uhr stehen. Erst eine Viertelstunde später folgte der zweitplatzierte Neuseeländer Cameron Brown (8:46:10).

Bei den Frauen schrieb Nina Kraft aus Braunschweig Triathlon-Geschichte. Die Siegerin des Ironman Europe in Roth wurde in 9:41:01 Stunden Dritte und sorgte damit für die beste Hawaii-Platzierung einer deutschen Triathletin überhaupt. An der Spitze konnte Titelverteidigerin Natascha Badmann einmal mehr niemand das Wasser reichen. Die lockere Schweizerin siegte zum dritten Mal nach 1998 und 2000 in 9:28:38 vor der Kanadierin Lori Bowden (9:32:59). "Ich weiß nicht, wie ich diesen Tag überlebt habe. Das war das Härteste, was ich jemals durchgemacht habe", freute sich die Mutter einer 17-jährigen Tochter.

Auch Nina Kraft hatte Grund zur Freude. "Dass ich auf der Radstrecke so lange in Führung lag, habe ich gar nicht gecheckt. Das ist der größte Erfolg in meiner Karriere. Ich bin überglücklich", sagte die technische Zeichnerin. Kraft hatte sich vor Ort eine Erkältung zugezogen und sich deshalb erst in letzter Minute für eine Teilnahme entschieden.

In den endlosen Lavafeldern auf Big Island rangen 1470 Starter einmal mehr mit sengender Hitze, bis zu 60 Kilometer pro Stunden schnellen Windböen und sich selbst. Nicht wenige Stars verloren diesen einsamen Kampf. Oldie Jürgen Zäck aus Koblenz hatte sich gemeinsam mit Stadler wochenlang in San Diego vorbereitet. Nach fünf Siegen in Roth und zwei Jahren Hawaii-Abstinenz wollte sich der 36-Jährige endlich seinen Lebenstraum erfüllen. Doch auf der Radstrecke gab Zäck entkräftet auf. Immerhin wusste er in Vorjahressieger Peter Reid (Kanada), Luc van Lierde (Belgien) und dem sechsfachen Hawaii-Champion Dave Scott aus den USA prominente Leidensgenossen an seiner Seite.

Für Aufsehen hatte nach der ersten Disziplin ein anderer Deutscher gesorgt. Der Darmstädter Jan Sibbersen, ehemaliger Nationalmannschaftsschwimmer auf der Langstrecke, war nach 48:57 Minuten als Erster aus dem Wasser gestiegen, spielte aber bald keine Rolle mehr.

Das Rennen hielt, was es versprach. Und es lieferte Stoff für neue Legenden.

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