Sport : Italien feiert Michael Schumachers Siegesserie, und die FIA verkündet neue Regeln

Hartmut Moheit

Als Willi Weber vor fünf Jahren den Vertrag seines Zöglings Michael Schumacher mit Ferrari perfekt macht, da hatte der umtriebige Manager eine ganz eigene Vision von einem Europa ohne Grenzen vor Augen. "Wenn du mit Ferrari Weltmeister wird", sinnierte Weber damals, "dann brauchst du keinen Reisepass mehr. Dann kennt dich so oder so jeder auf der Welt." Noch ist Michael Schumacher nicht Weltmeister, noch führt er ein Personaldokument mit sich, ein deutsches übrigens, aber längst haben die begeisterten Ferraristi ihren Michele ehrenhalber adoptiert. "Schumi ist immer weniger Germane, er freut sich wie ein Kind", konstatierte die "Gazzetta dello Sport", nachdem Schumacher beim Großen Preis von San Marino in Imola seinen dritten Saisonerfolg in Folge herausgefahren hatte.

In der Tat: Der Sieger freute sich so ausgelassen wie noch nie in seinen zuvor so erfolglosen Jahren bei Ferrari. "Dieser Sieg war der schönste von den dreien, da ich vom Anfang bis zum Ende mit den McLaren gekämpft habe", sagte er nach seiner Meisterleistung von Imola. Die Siege in Melbourne und Sao Paulo waren durch den Totalausfall der Silberpfeile ein wenig entwertet. Diesmal kamen Weltmeister Mika Häkkinen und David Coulthard durch - auf die Plätze zwei und drei.

Bei McLaren-Mercedes herrschte Erleichterung und gedrückte Stimmung zugleich. Erstmals in dieser Saison waren die Silberpfeile ins Ziel gekommen, hatten die ersten zehn Punkte geholt. Nach der kuriosen Entscheidung, die Schumacher beim Tankstopp herbeiführte, hagelte es jedoch hämische Bemerkungen. "Mika, gib deinen Führerschein ab", skandierten die Ferrari-Fans während der Siegerehrung.

Schumacher selbst gab sich zurückhaltend: "Ich weiß: Es wird auch uns einmal treffen, insofern sind 24 Punkte vor Häkkinen zwar ein Polster, aber es reicht noch nicht." 39:10 für Ferrari steht es vor dem Großen Preis von Großbritannien am 23. April, und der wird kein Rennen wie jedes andere sein. Max Mosley, Präsident des Internationalen Automobilverbandes Fia, verkündete in Imola, was inoffiziell aber bereits bekannt war: "Es wird einschneidende Änderungen im technischen Reglement geben." Von Silvestone an müssen alle elf Teams das elektronische Motor-Management drastisch reduzieren. Bisher gab es mehrere Software-Programme, um die Motorparameter den jeweiligen Rennbedingungen anzupassen. Der Fahrer wirkte darauf selbst nicht aktiv ein. Künftig ist nur noch ein Programm erlaubt, das Gaspedalstellung und Drehzahl optimieren kann.

Die Auswirkungen des Verbotes können in Silverstone sehr leicht zum Chaos führen. Zum Beispiel in der Boxengasse, wenn plötzlich in den Boliden der sogenannte "Speedlimiter" fehlen wird. Er garantierte den Fahrern bisher, dass die vorgeschriebenen 80 Stundenkilometer eingehalten wurden. Jetzt müssen sie die Geschwindigkeit im Gefühl haben. Bei einem Verstoß wartet auf den "Raser" eine 10-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe. Abhilfe kann nur ein Tachometer bringen. "Ich habe mir extra einen vom Fahrrad besorgt. Der darauf angezeigte Speed reicht doch", spottete Schumacher.

Hinter dem Verbot der Sensorentechnik steht das Ziel, ein Unterlaufen des Reglements mehr und mehr zu verhindern. Immer wieder beschuldigen sich vor allem die Top-Teams, auf irgendeine Weise doch über die Traktionskontrolle (verhindert das Durchdrehen der Räder) und ein aktives Fahrwerk (passt die Höhe des Fahrzeugs automatisch den Bodenverhältnissen an) zu verfügen. Doch schon jetzt sind sich die Experten sicher, dass auch Mosleys neue Linie sehr schnell wieder unterlaufen wird. "Das dauert keine drei Monate, dann gibt es wieder etwas Neues, das den selben Effekt hat", sagte Arrows-Teamchef Tom Walkinshaw in Imola.

Mit dem Grand Prix in Silverstone wird demnach eine Phase eingeleitet, die viele Unwägbarkeiten in sich birgt. Wie etwa beim Zwei-Millimeter-Fall des David Coulthard. Dem Schotten im Silberpfeil war der zweite Platz von Sao Paulo wegen einer minimalen Abweichung des Frontspoilers aberkannt worden. Wird die nachträgliche Korrektur des Rennausgangs künftig zur Regel? Ist die Tempokontrolle durch den Fahrer in der Boxengasse, wo Häkkinen am Sonntag das Rennen gegen Schumacher verlor, vielleicht die letzte Chance für die Silberpfeile, der so schlecht begonnenen Saison noch eine Wende zu geben? Immerhin ist die Fia auf Spannung bis zum Finale angewiesen. Das letzte Rennen des Jahres steigt am 22. Oktober in Malaysia.

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