Sport : "Jämmerlich" - Nach vernichtender Kritik droht Jeremies Rauswurf aus DFB-Team

Gut zwei Monate vor dem ersten Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden gegen Rumänien am 12. Juni ist die vermeintlich "heile Welt" beim Titelverteidiger endgültig aus den Fugen geraten. Jens Jeremies vom Deutschen Meister Bayern München hat harte Kritik an der Nationalmannschaft geübt, Teamchef Erich Ribbeck indirekt für die Misere verantwortlich gemacht und den Zustand beim Europameister als "jämmerlich" bezeichnet.

"Wenn man die deutsche Nationalelf in den vergangenen Jahren sieht: Wann hat sie ein begeisterndes Spiel abgeliefert? Es hat sich nichts geändert oder gar gebessert. Man muss sich fragen, warum entwickelt sich da nichts?", erklärte der 26-Jährige in einem Interview mit dem Fachblatt "Kicker". "Vielleicht hätten wir in Holland wirklich 0:5 verlieren müssen, damit auch dem Letzten die Augen geöffnet werden, wie der Zustand der deutschen Nationalelf ist", sagte Jeremies.

Ribbeck, der sich zuletzt mehrfach heftige Attacken auch aus dem engen Kreis der Mannschaft hatte anhören müssen, reagierte verbittert auf die Äußerungen von Jeremies: "Wir brauchen Spieler, die gerne in der Nationalelf spielen. Ich bin enttäuscht, dass er sich nicht an den Verhaltenskodex gehalten hat, Kritik nur intern zu äußern." Später drohte er Jeremies sogar mit einem Nationalmannschafts-Rauswurf: "Wenn er das wirklich so gesagt haben soll und er Probleme mit dem Zustand der Nationalmannschaft hat, dann muss ich mir überlegen, ob ich ihn nicht von diesem Problem befreie."

Ribbeck hatte mit Jeremies, der beim Länderspiel in der vergangenen Woche in Kroatien verletzungsbedingt fehlte, nach dem 1:2 in den Niederlanden telefoniert. Dabei hatte sich "Jerry" aber offenbar nicht so kritisch wie jetzt im Interview geäußert. Bereits unmittelbar nach der schwachen Vorstellung in der Amsterdam-Arena hatte es von Seiten des Bayern-Asses kritische Worte gegeben.

Jeremies bemängelte im "Kicker"-Interview: "Die Mannschaftsteile und die einzelnen Spieler passen nicht zusammen." Notfalls müsse man "eben mal ohne System spielen", forderte der Mittelfeldspieler. Fußballfachlich sei unbestritten, "dass Angriff, Mittelfeld und Abwehr nicht ineinander greifen, da klaffen zu große Lücken", analysierte Jeremies. Außerdem erklärte der ansonsten eher schweigsame Jeremies, dass er bereits über einen Rücktritt aus der Nationalelf nachgedacht habe: "Wenn man so oft mit Niederlagen zurückkommt, macht man sich schon Gedanken, ob es noch Sinn macht. Oder ob es nicht besser ist, sich auf den Verein zu konzentrieren." Sollte die DFB-Auswahl bei der EM scheitern, hätte man statt vier Wochen Urlaub "dann vier Wochen nur Ärger".

Das 1:1 im verregneten Testspiel in Kroatien bezeichnete Jeremies als kleinen "Hoffnungsschimmer", dennoch blieben die gründsätzlichen Probleme: "Nur wenn man kompakt steht, kommt man in die Zweikämpfe, somit in Ballbesitz." Immerhin habe man "von den Namen her" einen guten Kader, den "weltbesten Keeper" und "die treffsichersten Stürmer".

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