Jenson Button : Das Image besiegt

Jenson Button galt lange als schlampiges Talent – jetzt feiert er den Gewinn der Weltmeisterschaft.

Karin Sturm

Sao Paulo - Immer wieder hatte er sich zuletzt anhören müssen, seinen Vorsprung nur zu verwalten, den WM-Titel viel zu unspektakulär nach Hause zu bringen. Doch bei seinem Meisterstück in Interlagos zeigte Jenson Button mit seiner Aufholjagd wieder einmal einiges von der Klasse, mit der er zu Saisonbeginn, als der Brawn auch dank des umstrittenen Doppeldiffusors noch das überlegene Auto im Feld gewesen war, überzeugte und die ersten sechs von sieben Saisonrennen gewonnen hatte.

Jetzt ist er tatsächlich Weltmeister, der zweite britische hintereinander nach Lewis Hamilton. Button also, der 29-Jährige, der im Jahr 2000 bei Williams-BMW sein Formel-1-Debüt feierte und damals auf der Insel als Wunderkind betitelt und dann genauso schnell wieder fallen gelassen wurde, als sich die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllten.

Sicher, Button agierte damals in seinen Vertragsverhandlungen und Teamwechseln nicht immer glücklich, setzte sich mehr als einmal beinahe zwischen alle Stühle, fand gleichzeitig Geschmack am süßen Leben, Boote, Champagner, Parties, hübsche Mädchen, alles was dazu gehört zum Playboy-Leben, nur die Ergebnisse blieben aus. 2007 und 2008 bei Honda schien er endgültig unterzugehen. Er verlor die Motivation und musste sich immer wieder seinem Teamkollegen Barrichello geschlagen geben.

Doch nach dem Winter 2008/2009, als er nach dem Honda-Rückzug nicht einmal sicher sein konnte, in dieser Saison überhaupt einen Job zu haben, kam mit der Wiedergeburt des Teams Brawn GP die Wende. Button fuhr auf einmal wieder in Top-Form, machte praktisch keine Fehler, nutzte die gegebene Chance optimal und legte mit seiner Siegesserie den Grundstein zum Titel.

Privat ist er wesentlich solider geworden. Die Beziehung mit dem Modell Jessica Michibata gibt ihm Halt. An ihrer Seite ist er zum Fitnessfreak mutiert, der in London den Triathlon über die olympische Distanz in zwei Stunden und zehn Minuten absolvierte. Button hat sich deutlich entwickelt. „Früher war er sicher nicht so gut vorbereitet wie Sebastian Vettel“, sagt etwa BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen. „Aber wie er jetzt das Thema angeht, hat er es längst intus. Das muss er auch, denn als Führungsfahrer und Titelanwärter muss er eine Schlüsselrolle im Team einnehmen, auch außerhalb des Cockpits.“ Für ihn sei der Brite ein verdienter Weltmeister: „Wenn Jenson in der ersten Hälfte so stark war, dass er trotz Schwächephase in der zweiten Hälfte Weltmeister werden konnte, hat er es auch verdient.“

Das sieht auch der gestrige Sieger von Interlagos, Mark Webber, so: „Er hat mehr Rennen gewonnen als jeder andere. Er hat mehr Überholmanöver gemacht und er hat sich oft aus schwierigen Situationen befreit, um seine WM-Chancen am Leben zu erhalten.“ Ob er wirklich der beste Fahrer im Feld sei, stehe allerdings auf einem anderen Blatt.

Einer, der nie daran zweifelte, dass sein Sohn den Titel holen würde, war Vater John Button. Dieser ist ein bekanntes Gesicht im Fahrerlager, meist mit einem Glas oder auch einer Flasche Rotwein vor sich. „Heute werde ich so feiern, dass man hier alles renovieren muss“, jubelte Jenson Buttons Vater. „Leute, die an seiner Fähigkeit gezweifelt haben, den Job zu Ende zu bringen, vergessen, dass Jenson die Meisterschaft vom ersten Tag angeführt hat!“ 

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