Jerzy Hawrylewicz : Trauer um einen Fußballer

Das Leben eines Fußballers ist zu Ende gegangen. Eines eigentlich unbekannten Fußballers. Und doch bewegt der Tod von Jerzy Hawrylewicz viele Menschen. Er lag 17 Jahre lang im Wachkoma.

Robert Ide

Der frühere Zweitliga-Profi des VfB Oldenburg ist am Freitag im Alter von 50 Jahren gestorben – zuvor hatte er fast 17 Jahre lang im Wachkoma gelegen und war von seiner Frau und seinen drei Kindern zu Hause gepflegt worden.

Ewa Hawrylewicz wirkt gefasst am Telefon. Sie erzählt mit leiser Stimme von einer plötzlich aufgetretenen Lungenentzündung. „Er war zum Glück nicht so lange krank und ist dann ruhig eingeschlafen.“ Die Familie des in Polen geborenen Hawrylewicz will in einem Vorort von Oldenburg wohnen bleiben. „Wir haben hier sehr viel Hilfe erfahren“, sagt Ewa Hawrylewicz.

Es geschieht am 20. April 1992 im Spiel der Reservemannschaft des VfB beim HSC Hannover: Der Stürmer Jerzy Hawrylewicz bricht nach einem Herzinfarkt auf dem Feld zusammen. Sein damaliger Kotrainer Klaus-Peter Nemet rettet ihm mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung das Leben. Doch Hawrylewicz’ Gehirn ist mehrere Minuten ohne Sauerstoff geblieben. Hawrylewicz fällt ins Wachkoma, er kann sich nicht mehr bewegen und keine Nahrung mehr zu sich nehmen.

Viele Sportler und Sportinteressierte nahmen Anteil. Bayern München und die polnische Nationalmannschaft halfen mit Benefizspielen, der Landessportbund Niedersachsen unterstützte die Pflege, ebenso engagierte sich der frühere Box- Weltmeister Dariusz Michalczewski.

Im Fußball sind immer wieder Spieler tödlich zusammengebrochen. Aber Ewa Hawrylewicz will die Schuld am Tod ihres Mannes nicht beim Sport suchen. „Für solch ein Unglück gibt es keinen Schuldigen“, sagt sie. „Aus dem Sport ist uns auch viel Hilfe entgegen gebracht worden.“ Für den kommenden Sonntag ist in der Oberliga Niedersachsen West das Spiel zwischen dem VfB Oldenburg und dem VfL Oldenburg vorgesehen. Es beginnt mit einer Gedenkminute für Jerzy Hawrylewicz.

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