Sport : Jetzt hilft nur noch Stefan Raab

Irgendwann im Sommer kursierte ein interessantes Gerücht: Der Profiboxer Graciano Rocchigiani, zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, hätte im Knast fürchterliche Prügel bezogen. Weil die Jungs, die schon ein paar Tage länger sitzen als der frühere Weltmeister aus Berlin, noch eine Spur aggressiver und unberechenbarer sind als der Neuling. Und weil diese Jungs es gar nicht so gerne haben, wenn einer glaubt, er könne dort den dicken Max markieren, nur weil er vor ein paar Jahren mal einen WM-Gürtel getragen hat.

Rocchigianis Freunde wussten, dass all das gelogen war. Im Sommer war Rocchigiani noch gar nicht im Gefängnis, er muss ja jetzt erst in Haft. Das hat gestern die Berliner Senatsverwaltung für Justiz verkündet. Doch man muss gar nicht mit Rocchigiani befreundet sein, um derartige Gerüchte als falsch zu entlarven. Der Boxer markiert im Gefängnis ganz bestimmt nicht den dicken Mann und bekommt deshalb auch keine Abreibung. Vielleicht ist es einfach so, dass Graciano Rocchigiani sich das gar nicht traut.

Eigentlich gibt es für einen, der einen Hausmeister schlägt und angeblich die Kritik seines Fahrlehrers mit einer linken Geraden beendete, nur eine Form, in den Knast zu gehen: aufrecht und trotzig. Aber Rocchigiani stellte ein Gnadengesuch. Und wenn er einen vertraglich gesicherten Kampf vorgewiesen hätte, dann hätte er auch, vorerst, draußen bleiben können. Das berichtet zumindest die "Bild"-Zeitung.

Das wäre ein schönes Bild. Rocchigiani, der seinem Hund mehr Respekt entgegen brachte als seinen Veranstaltern, bittet die Promoter Klaus-Peter Kohl oder Wilfried Sauerland um Hilfe. "Vergessen wir, dass ich ein paar Kämpfe kurzfristig abgesagt habe, einigen wir uns lieber auf einen neuen Kampf." Vielleicht steht dann irgendwo versteckt eine Kamera. So einen Canossa-Gang könnte man sehr gut vermarkten, ist ja alles irgendwie Geschäft.

Und Rocchigiani im Gefängnis, das ist schädlich fürs Geschäft. So dürften es jedenfalls die Fernsehsender sehen. Denn Graciano Rocchigiani war immer gut für die Quote und damit fürs Geschäft. Seine Kämpfe gegen Henry Maske hatten 17,69 und 12,93 Millionen Zuschauer. Und selbst, als er gegen den kaum bekannten John Scully boxte, konnte RTL für eine 30-Sekunden-Werbeinsel 123 000 Mark verlangen.

Und jetzt? Wen lockt das Profiboxen noch? Sven Ottke? Der ist Weltmeister, verfügt aber über eine allenfalls bescheidene Ausstrahlung. Regina Halmich? Na ja, Frauenboxen. Die Weltmeisterin Halmich musste ja schon Pro-7-Star Stefan Raab eine blutige Nase schlagen, um aufzufallen.

Bleibt eigentlich nur noch eine Lösung: Stefan Raab muss gegen Rocchigiani ran, wie gegen Halmich, nur im Gefängnis. Pro 7 filmt, Rocchigiani schlägt Raab windelweich, und die harten Jungs rund um den Ring applaudieren stehend. Rocchigiani wäre ein Star im Knast. Und das wäre dann kein Gerücht.

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