Sport : Jetzt lacht der Clown

Warum Kaiserslauterns Vorstandschef an den Klassenerhalt glaubt und der Trainer nichts von Basler und Sforza wissen will

Richard Leipold

Von Richard Leipold

Gelsenkirchen. Unter den beiden Verlierern eines Fußballspiels, das unentschieden endete, war Ciriaco Sforza der Gewinner. Während der andere große Verlierer, Mario Basler, warm eingepackt auf der Reservebank saß und seinen Beruf ausschließlich im Sitzen ausübte, hatte Sforza in der zweiten Halbzeit ein wenig Auslauf. Er bekam den Auftrag, sich aufzuwärmen – für alle Fälle. Der Trainer rechtfertigte diese aufmerksam registrierte Ungleichbehandlung mit einem Hinweis auf das Regelwerk. Es sei nicht vorgeschrieben, „alle Spieler zum Warmlaufen zu schicken“, sagte Erik Gerets. In das Spiel allerdings durfte Sforza so wenig eingreifen wie Basler. Beim 2:2 gegen den FC Schalke 04, der daheim seit vier Monaten sieglos ist, standen die beiden launischen Stars klar im Abseits. Ihre Position war weitaus klarer zu erkennen als die Abseitsstellung des Nationalstürmers Miroslav Klose, dessen Kopfballvorlage Harry Koch in der Nachspielzeit den Ausgleich ermöglichte.

Sforza und Basler waren vom Vorstandsvorsitzenden René C. Jäggi als Störenfriede bezeichnet worden, und Cheftrainer Gerets hatte sie von Führungskräften zu einfachen Bankangestellten degradiert. Im Übrigen habe er „keine Lust“, ständig über Basler und Sforza zu reden, sagte er. „Lassen sie mich doch mal ein paar Tage damit in Ruhe.“ Die öffentliche Debatte um die beiden schwierigen Stars folge immer dem gleichen Muster. „Wenn sie draußen sind, heißt es, sie müssen spielen. Wenn sie spielen, heißt es, sie müssen raus.“ Das Experiment ohne Basler und Sforza gelang. Ohne sie gab das „Kollektiv von Clowns“, wie Jäggi die Mannschaft vor kurzem genannt hat, für einen Nachmittag eine ordentliche Vorstellung. So sieht der Schweizer Chef des FCK sich in seinem Urteil über die Profis bestätigt. Er habe den Vergleich mit den Clowns nicht etwa abschätzig, sondern „aufmunternd gemeint“, behauptete Jäggi. „Clowns sind Unterhaltungskünstler, die uns mal zum Lachen und mal um Weinen bringen“, sagte er. „Wir haben zuletzt viel geweint, jetzt wollen wir lachen.“

Der Punktgewinn in Schalke gab Jäggi immerhin einen Grund zu lächeln, auch wenn die Mannschaft auf den letzten Tabellenplatz zurückfiel. Die kommende Woche könnte den Klub jedoch aufs Neue erschüttern und den Verantwortlichen wieder Tränen in die Augen treiben. Da das Finanzamt eine Steuernachforderung von 13 Millionen Euro erhoben hat, muss Jäggi abermals ein Rettungskonzept vorlegen, um eine Insolvenz abzuwenden. „Wir werden darlegen, wie wir unsere Schulden abbauen wollen. Vielleicht müssen wir alle ein bisschen leiden, damit wir uns am Ende freuen können. Ich bin überzeugt, dass es ein Happy-End geben wird“, sagt der Schweizer Sanierer, der vom Ausmaß der Krise aufs Neue überrascht wurde. „Niemand in der Pfalz will, dass dieser Verein untergeht. Unsere Geldgeber lassen uns nicht hängen.“

Sollte allerdings der wirtschaftlich schlimmste Fall eintreten und der Verein oder einer der Gläubiger Insolvenz beantragen, wäre der Spielbetrieb möglicherweise dennoch gesichert. Wie die „Bild am Sonntag“ „aus Kreisen der Deutschen Fußball-Liga“ erfahren haben will, könnte Kaiserslautern selbst im Falle der Insolvenz „im bezahlten Fußball bleiben“. Zumindest bis Saisonende. Während die Eröffnung der Insolvenz geprüft wird, erhalten Arbeitnehmer drei Monate lang ihr Gehalt als so genanntes Insolvenzgeld. Falls es in Kaiserslautern so weit käme, ständen auch die aktuellen Verlierer Sforza und Basler wieder auf der Gewinnerseite. Unabhängig vom Erfolg wären ihre Bezüge zunächst gesichert, ob sie spielen, sich warm laufen oder einfach sitzen bleiben.

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