Joachim Löw nominiert EM-Kader : Schweinsteiger ist die Schlüsselfigur

Bundestrainer Joachim Löw muss noch vier Spieler aus dem Kader streichen - bis Dienstag um 23.59 muss er sein EM-Aufgebot nominiert haben.

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Im Erfolg vereint: Bastian Schweinsteiger und Joachim Löw nach dem WM-Sieg 2014. Fahren sie auch zusammen nach Frankreich? Foto: Srdjan Suki/dpa
Im Erfolg vereint: Bastian Schweinsteiger und Joachim Löw nach dem WM-Sieg 2014. Fahren sie auch zusammen nach Frankreich?Foto: Srdjan Suki/dpa

Andreas Köpke hat in den vergangenen Tagen erläutert, warum die deutsche Fußball-Nationalmannschaft anders als in der Vergangenheit nur mit der Mindestzahl an Torhütern ins Trainingslager gereist ist. Drei sind in Ascona dabei, drei werden auch dem endgültigen Aufgebot für die Europameisterschaft angehören, das Bundestrainer Joachim Löw bis Dienstag um Mitternacht der Uefa melden muss. Weil Manuel Neuer diesmal von Anfang an dabei und nicht mehr mit den Bayern beschäftigt ist, habe man darauf verzichtet, einen zusätzlichen Mann mit ins Tessin zu nehmen, erklärte Torwarttrainer Köpke. Das war eine gute Entscheidung – vor allem für Marc-André ter Stegen.

Der 24 Jahre alte Torhüter vom FC Barcelona hat seiner Nationalmannschaftsgeschichte, die sich zwischen Tragikomödie und Slapstick bewegt, am Sonntag ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Im Testspiel gegen die Slowakei ließ er einen nicht besonders wuchtig getretenen Ball zum 1:3-Endstand über die Torlinie flutschen. Ter Stegen verfügt über herausragende Anlagen, da sind sich alle Experten einig. Nur in der Nationalmannschaft ist davon so gut wie nichts zu sehen. Es ging schon bei seinem Debüt vor vier Jahren los, in dem er fünf Gegentore kassierte und das ihn letztlich die Teilnahme an der EM 2012 kostete.

Diesmal wird ter Stegen dabei sein, so viel ist klar. Das ist aber auch so ziemlich das Einzige, was sich über den finalen EM-Kader schon jetzt sagen lässt. Das letzte Länderspiel vor der Nominierung hat jedenfalls nicht zur Erhellung beigetragen. Die zweite Hälfte, in denen sich die beiden Debütanten Julian Weigl und Julian Brandt empfehlen sollten, fand unter irregulären Bedingungen statt, nachdem zur Pause ein Unwetter den Platz in Augsburg geflutet hatte. „Ich hätte mir ein anderes Debüt vorgestellt“, sagte der Dortmunder Weigl. „Ich habe versucht, alles reinzuwerfen, mit dem Platz das Beste anzufangen.“

Das Wort der medizinischen Abteilung wird Gewicht haben

Vier Feldspieler muss Joachim Löw noch aus seinem Aufgebot streichen. „Verdient hat es niemand“, sagte er. „Es wird schwierig, klar.“ Das Spiel in Augsburg dürfte auf Löws Entscheidung weniger Einfluss haben als das Wort der medizinischen Abteilung. Er werde sich nach der Rückkehr ins Trainingsquartier „zuallererst mit den Medizinern zusammensetzen“, kündigte der Bundestrainer an. Mit Kapitän Bastian Schweinsteiger, Mats Hummels, Marco Reus und Karim Bellarabi fehlten gegen die Slowakei vier Spieler, die unter normalen Umständen einen festen Platz im EM-Aufgebot haben sollten. „Da möchte ich schon ein gewisses Okay vom Arzt, dass das in den nächsten Wochen keine Risiken birgt“, sagte Löw.

Vor allem an Schweinsteiger hängt vieles. Dass er es überhaupt nach Ascona geschafft hat, zeigt, dass der Bundestrainer ihm bis zum letzten Moment die Tür offen lassen will. Der bald 32-Jährige hat seit Januar so gut wie gar nicht mehr gespielt; dass er am Wochenende erstmals wieder mit dem Ball trainiert hat, gilt schon als enormer Fortschritt – und belegt eigentlich nur, dass Schweinsteiger nicht in der Verfassung ist, ein großes Turnier zu spielen.

Die Bewertung seiner Einsatzfähigkeit wird direkte Auswirkungen auf die EM-Chancen von Joshua Kimmich und Julian Weigl haben, die auf derselben Position zu Hause sind. Beide kamen gegen die Slowakei zu ihrem Länderspieldebüt. Kimmich spielte vor der Pause in der Dreierkette und sah beim zwischenzeitlichen 1:2 nicht besonders glücklich aus. Weigl hatte wie Julian Brandt in der zweiten Hälfte mit den irregulären Bedingungen zu kämpfen. So konnte sich von den ganz Jungen noch am ehesten Leroy Sané empfehlen. Der Schalker bringt Tiefe und Zielstrebigkeit ins Spiel, etwas, was der Mannschaft sonst abgeht. „Alle vier haben im Training bei mir einen sehr guten Eindruck hinterlassen“, sagte Löw. „Sie haben die Qualität, dass sie eine große Zukunft haben.“ Die Frage ist nur, ob diese Zukunft schon jetzt beginnt.

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