Johannes Herber : Ein paar schöne Wochen

Nationalspieler Johannes Herber darf bei Alba Berlin wieder mehr spielen – allerdings wohl nur vorübergehend.

Benedikt Voigt

Berlin - Vielleicht ist Johannes Herber einfach nur gut erzogen. Der deutsche Basketball-Nationalspieler sitzt am Mittwochabend im Vip-Raum der Halle am Ostbahnhof und schiebt seinen Teller von sich. Er hat ihn komplett leer gegessen, keine Nudel, kein Reiskorn findet sich noch darauf. Brav, könnte man sagen, doch womöglich hat er einfach nur richtig Hunger gehabt, nachdem er zuvor im Bundesligaspiel von Alba Berlin so viele Kalorien wie nie zuvor in dieser Saison verbrennen durfte.

„Es ist eine gutes Gefühl, sich auf ein Spiel vorzubereiten und zu wissen, dass man auch spielen wird“, sagt Herber. Rund 18 Minuten Einsatzzeit hatte der Mannschaftskapitän von Alba Berlin beim 84:69-Sieg über Ulm bekommen, auch heute gegen Nördlingen (19 Uhr, Halle am Ostbahnhof) dürfte er länger spielen. Zu verdanken hat er das nicht etwa einem grundsätzlichen Sinneswandel bei Trainer Luka Pavicevic, der ihn nach seinem Kreuzbandriss in der vergangenen Saison nicht mehr in die Rotation der Stammspieler aufgenommen hat. Sondern der Verletzung von Rashad Wright und einem Virusinfekt bei Julius Jenkins, dessen Einsatz auch heute fraglich ist.

In diesen Tagen aber wirkt sich Pavicevics Credo, an einer Rotation stur festzuhalten, sogar zu Herbers Vorteil aus. Einmal aufgenommen im Kreis der Aktiven, ist ausreichend Spielzeit garantiert. So hatte Herber gegen Ulm keine Bedenken, als er zum ersten Dreipunktewurf ansetzte. „Auch wenn ich den ersten vorbei geworfen hätte, hätte sich nichts geändert“, sagt er. Seine Aufgabe sei es gewesen, „den Spielfluss nicht zu stören“, sagt der 26-Jährige ironisch. Gegen Ulm fiel er diesbezüglich nicht negativ auf, auch wenn er in der Verteidigung zweimal zu spät kam. „Das ist auch sofort angesprochen worden“, sagt er. Pavicevic war dennoch zufrieden, „Es ist nicht einfach für ihn, aber er arbeitet sehr hart“, sagt Albas Trainer, „er hat auf einem hohen Niveau gespielt, wie alle anderen auch.“

Dass der Deutsche Meister sogar zwei Leistungsträger ersetzen kann, indem er einen deutschen Nationalspieler aktiviert, dürfte eine schlechte Nachricht für Nördlingen und die übrigen Bundesligisten sein. „Unsere tiefe Bank tut den anderen richtig weh“, sagt Aufbauspieler Steffen Hamann, der ebenfalls von den Ausfällen profitierte und gegen Ulm knapp 31 Minuten spielte. Er war zuletzt nach Patrick Femerlings Verletzung der einzige Deutsche, der regelmäßig zum Einsatz kam. Eine Situation, die Herber nicht nur bei Alba, sondern auch in der Bundesliga gerne ändern würde. „Eine höhere Deutschenquote wäre schon hilfreich für den deutschen Basketball“, sagt er, „zum Beispiel, dass ein Deutscher zwingend auf dem Spielfeld stehen muss.“ Auch eine Regelung von sechs Deutschen und sechs Ausländern im Team würde etwas ändern. Die Bundesliga erhöht in der kommenden Saison die Quote auf ein Minimum von vier Deutschen pro Team.

Herber hofft, dass durch die vier- bis sechswöchige Verletzungspause von Rashad Wright mehr Minuten für ihn abfallen werden. Er gibt sich allerdings nicht der Illusion hin, sich dauerhaft in Pavicevics Rotation hineinspielen zu können. Er weiß: „Wenn alle gesund sind, wird sich meine Situation nicht ändern.“

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