Sport : Jugend trainiert fürs Olympiastadion

Gegen den FC Bayern muss Fußball-Bundesligist Hertha BSC auf den Nachwuchs setzen

André Görke

Berlin. Hans Meyer musste noch einmal nachfragen, nur so zur Sicherheit, nicht dass er die Szene falsch gesehen hatte. Quer über den Fußballplatz brüllte der Trainer von Hertha BSC, ob „das etwa Absicht war?“ Der Fußballer Sofian Chahed hatte den Ball im Trainingsspiel aus 30 Metern über den Torhüter hinweggeschaufelt, mit viel Übersicht und viel Gefühl. So viel Dreistigkeit war dem jungen Chahed gar nicht zuzutrauen.

Dem Berliner Trainer müssten solche Aktionen gefallen. Am Samstag spielt Hertha im Berliner Olympiastadion gegen Bayern München (15.30 Uhr), und nichts fürchtet Meyer mehr, als dass „wir vor Ehrfurcht und Respekt im Boden versinken“. Gegen Bayern München werden den Berlinern die beiden besten Abwehrspieler fehlen. Herthas Kapitän Dick van Burik und Nationalspieler Arne Friedrich haben vor einer Woche bei der 0:2-Niederlage in Hamburg die Rote Karte gesehen und werden am Samstag nur auf der Tribüne sitzen können.

„Nervös“ wird van Burik sein, das weiß er jetzt schon, „weil ich tatenlos herumsitze und nicht eingreifen kann“. Kollegen wie Pal Dardai sagen, dass es ein „beruhigendes Gefühl“ sei, wenn „der Dick da hinten drinsteht“. Der Niederländer gibt die Kommandos, er ist der Chef der Defensive. Die muss Hertha nun umkrempeln.

Trainer Hans Meyer hat vieles ausprobiert auf dem Trainingsplatz. Und jetzt sieht es danach aus, als würde der schnelle Chahed, 20, für den gesperrten Friedrich ins Team rücken und sich auf der rechten Seite um Bayerns Zé Roberto kümmern. In der Innenverteidigung wird wohl Alexander Madlung, 21, neben Marko Rehmer spielen und auf der linken Seite Malik Fathi. Der ist mit acht Bundesligaspielen einigermaßen erfahren – und trotzdem erst 20 Jahre alt.

Es passt gut ins Bild, dass sich Dick van Burik in der Woche intensiv mit den jungen Spielern unterhalten hat. Er spielt so etwas wie die Vaterrolle im Team, er hat selbst drei Kinder. Als sich Sofian Chahed gestern dehnte, lief van Burik zu ihm, lehnte sich über ihn und redete leise auf den jungen Spieler ein. „Es ist gut, wenn einer wie Dick mit dir redet“, hat Fathi einmal gesagt.

Am Mittwoch sah es noch danach aus, als würde ein weiteres Talent gegen die Bayern spielen müssen. Weil sich Fathi mit einem Bluterguss in der Wade herumplagte, ließ Meyer im Trainingsspiel Denis Cagara auflaufen. Der ist erst 19 Jahre alt, wird von Manager Dieter Hoeneß aber schon mit Bixente Lizarazu von Bayern München verglichen. „Der hat richtig gut trainiert“, sagt auch Trainer Meyer, aber weil sich Fathi gestern wieder fit meldete, wird Cagara auf der Ersatzbank Platz nehmen.

Die jungen Spieler verhalten sich professionell, sie heben nicht ab und fragen die älteren um Rat. Das kommt bei den Kollegen gut an. Auch deshalb hat einer wie Andreas Neuendorf „Vertrauen in die Jungs“. Als Chahed etwa im Februar sein erstes Bundesligaspiel absolvierte und Fathi sein zweites von Beginn an, hieß der Gegner Stuttgart. Und „da haben die Jungs gezeigt, dass sie keine Angst vor großen Gegnern haben.“ Gegen die Bayern sei jeder hoch motiviert, sagt Neuendorf. „Für jedes Kind ist es ein Traum, gegen die Bayern zu spielen.“ Wie es aussieht, wird wohl noch ein weiterer junger Spieler von Beginn an mitkicken dürfen. Im Training gehörte Stürmer Nando Rafael, 20 Jahre alt, zur ersten Mannschaft. Herthas Nachwuchs muss schnell erwachsen werden.

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