Sport : Jung, witzig und erfolglos

Nach dem Patzer von Felix Neureuther bleibt das deutsche Team bei der Ski-WM ohne Medaille

Jörg Köhle[Are]

So betrübt kann Felix Neureuther anscheinend gar nicht sein, dass er kein Auge mehr für eine Prinzessin hätte. Als der deutsche alpine Skifahrer nach seinem bitteren Ausfall im zweiten Durchgang des WM-Slaloms doch irgendwann das Ziel erreicht hatte, erblickte er Victoria auf der Tribüne, die Tochter des schwedischen Königspaares Silvia und Karl Gustav, und warf ihr sein Trikot mit der Startnummer über die Absperrung zu. Anscheinend wollte Neureuther diese Nummer 10 auch nicht als Andenken aufheben, in allerbester Erinnerung dürfte sie ihm kaum bleiben.

Das Ergebnis des ersten Durchganges wird Neureuther schon eher im Gedächtnis bleiben: Da lag er auf dem zweiten Platz. Die Medaille schien so greifbar nah wie seit Jahren nicht mehr für einen deutschen Skifahrer. Doch dann kam dieser Patzer im zweiten Durchgang. „Ich hatte am Start ein richtig gutes Gefühl“, sagte Felix Neureuther, „und hätte gar nicht gewusst, wie ich da jetzt ausscheiden soll.“ 35 Hundertstelsekunden Vorsprung zeigte die Uhr bei gut der Hälfte der Strecke an. Das war Bestzeit bis dahin – und oben stand nur noch Mario Matt. Den überragenden Österreicher, der schließlich Gold gewann, hätte Neureuther vielleicht nicht mehr eingeholt. Doch Silber schien dem Deutschen sicher. Er wusste: „Wenn ich runterkomme, habe ich die Medaille.“ Doch er geriet plötzlich ins Schleudern. „Vorher hatte er alles richtig gemacht, war ruhig unterwegs, ist hervorragend gefahren“, sagte Trainer Werner Margreiter verwundert, „dann hat er einmal die Position verlassen. Das war einmal zu viel.“

Dass sich Felix Neureuther mit seinen 22 Jahren noch viele weitere Rennen bieten werden, taugte am Abschlusswochenende der alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Are kaum als Trost. Die Medaille war verschenkt, der Ärger „schon riesengroß“, gab der junge Mann aus Partenkirchen zu. „Denn so eine Chance hat man nicht oft.“ Für den Deutschen Skiverband hätte eine Medaille, gleich welcher Farbe, eine große Wirkung habt, glaubt Wolfgang Maier, der deutsche Sportdirektor der alpinen Skifahrer: „Das hätte uns einen extremen Schub gegeben.“ Einen neuen Helden wie Felix Neureuther könnte der deutsche Skisport gut gebrauchen. Jung, witzig, charmant ist Neureuther – „und er sieht auch noch gut aus“, findet Maier. „Er hat alles, was ein kleiner oder großer Superstar braucht. Wenn der Felix mal gewinnt, wird er eine Welle lostreten.“

Was macht man nun, um diese Enttäuschung zu verdauen? „Eine Möglichkeit wäre sicher, sich brutal zu besaufen“, fiel Neureuther ganz spontan ein, um dann gleich seine deutschen Kollegen zu beruhigen: „Das mache ich natürlich nicht, weil wir noch den Teamwettbewerb haben.“ Im Teamwettbewerb waren die Deutschen dann allerdings gestern weit von einer Medaille entfernt. Sie belegten zum Abschluss der Weltmeisterschaft nur den siebten Platz.

Beim Sieg von Favorit Österreich stand bereits nach dem Super-G fest, dass die Mannschaft des Deutschen Skiverbandes ohne Chance war. Nach Platz acht verbesserte sich das Sextett mit Monika Bergmann-Schmuderer, die als Dritte ihres Slalomlaufs das beste Resultat hatte, Petra Haltmayr, Stephan Keppler, Maria Riesch, Alois Vogl und eben Felix Neureuther im Slalom nur noch um einen Rang. „Wir waren sicher von vornherein nicht in der Lage, den Titel zu verteidigen“, sagte Wolfgang Maier. „Aber wie so oft lag es an unserer eigenen Unfähigkeit, dass wir einen Lauf nicht runterbringen.“

Mit dem Mannschaftstitel überflügelte Österreich Schweden in der WM-Medaillenwertung – einer Wertung, in der die Deutschen nicht aufgetaucht sind. Das soll sich bei der WM 2011 in Garmisch-Partenkirchen nicht wiederholen, sagt Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Skiverbandes. „Viele sehen Alpin und Skiverband als Synonym“, sagte Hörmann. „Das Projekt Alpin hat daher herausragende Bedeutung.“ Felix Neureuther ist der angedachte Star für die WM 2011. In Schweden war er der einzige deutsche Weltklassefahrer bei den Männern – wenn auch einer ohne Erfolg.

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