Sport : Jungfernfahrt

Nico Rosberg gewinnt in China sein erstes Formel-1-Rennen, Vettel wird Fünfter.

Pose mit Pott. Für seinen ersten Sieg wird Nico Rosberg auf Händen getragen. Foto: dapd
Pose mit Pott. Für seinen ersten Sieg wird Nico Rosberg auf Händen getragen. Foto: dapdFoto: dapd

Schanghai - Nico Rosberg schrie seine Freude noch im Auto heraus. Nach seinem ersten Formel-1-Sieg stieg der 26-Jährige aus, stellte sich auf seinen Silberpfeil und ließ sich ausgiebig feiern. Norbert Haug stand ungläubig daneben und hatte Tränen der Freude in den Augen, ehe der Mercedes-Sportchef seinen Schützling als erster Gratulant in die Arme nahm. Zuvor hatte Rosberg Historisches vollbracht: Er feierte beim Großen Preis von China in Schanghai im 111. Rennen seiner Karriere den ersten Sieg und stellte damit auch Weltmeister Sebastian Vettel in den Schatten, der Fünfter wurde. Für Mercedes, erst seit 2010 wieder ein werkseigenes Team, war es der erste Erfolg seit 57 Jahren. Die letzten Siege hatte Mercedes im Team mit McLaren gefeiert.

„Es ist ein unglaubliches Gefühl. Wir haben zwei Jahre auf einen Sieg gewartet“, sagte Rosberg. Es sei ein perfektes Rennen gewesen, erklärte der Sohn des ehemaligen Weltmeisters Keke Rosberg. Dem Vater reichte 1982 ein einziger Sieg zum Titel. WM-reif war auch Rosbergs Vorstellung, denn sowohl taktisch als auch fahrerisch überzeugte er. Am Ende hatte Rosberg mehr als 20 Sekunden Vorsprung vor den beiden britischen McLaren-Piloten Jenson Button und Lewis Hamilton.

Mercedes hatte von Beginn an auf eine Zwei-Stopp-Strategie gesetzt. Die zahlte sich aus. „Das war ein Bilderbuchsieg“, sagte Haug. Die große Leistung Rosbergs sei es gewesen, dass er die Reifen gut behandelt habe, sagte Haug. An der Spitze fuhr Rosberg einen komfortablen Vorsprung heraus, den er geschickt verwaltete. Doch das war harte Arbeit. „Das Rennen hat sich angefühlt wie acht Stunden. Ich dachte, ich fahre die 24 Stunden von Le Mans“, sagte Rosberg.

Viel Zeit zum Feiern hatte er aber nicht. Bereits wenige Stunden nach seinem Erfolg ging es für den 26-Jährigen weiter zum nächsten Grand Prix nach Bahrain. „Die Party können wir ja noch irgendwann nachholen“, sagte Rosberg. Allerdings geht es mit viel Lob weiter zum vierten Saisonrennen. „Glückwunsch an Nico zu seinem ersten Sieg. Ich hoffe, es werden noch einige mehr, wenn auch nicht zu viele dieses Jahr“, sagte Button. Und Hamilton ergänzte: „Ich weiß, dass der erste Sieg ein unglaubliches Gefühl ist.“

Ein ungewohntes Gefühl war das Rennen auch für Sebastian Vettel. Der Weltmeister musste von Startplatz elf aus durch das Feld pflügen und lag, ebenfalls mit nur zwei Stopps, zwischenzeitlich sogar auf Rang zwei. Doch am Ende ging gar nichts mehr. „Ich hatte keine Chance zum Schluss. Mir war klar, je mehr von hinten kommt, desto höher ist der Druck. Zum Schluss war es dann nichts mehr mit den Reifen“, sagte Vettel.

In der WM-Wertung ist der 24-Jährige mit 28 Punkten nun Fünfter, einen Platz vor Rosberg (25). Die Führung übernahm Hamilton (45) vor Button (43). Der bisherige Spitzenreiter Fernando Alonso (Spanien) landete drei Wochen nach seinem überraschenden Sieg in Malaysia im Ferrari nur auf einem enttäuschenden neunten Platz. Nico Hülkenberg belegte im Force India den 15. Rang. Timo Glock landete im technisch unterlegenen Marussia abgeschlagen auf der 19. Position.

Freud und Leid lagen bei Mercedes dicht beieinander. Während Rosberg erstmals siegte, stand Teamkollege Michael Schumacher am Kommandostand und freute sich mit. Der Rekordweltmeister war nach einem verpatzten Boxenstopp in der 13. Runde ausgeschieden. Eine nicht befestigte Schraube war das Problem an Schumachers Silberpfeil. Einen Vorwurf wollte er niemand machen: „So etwas kann halt immer passieren.“ dapd

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