Sport : Juventus soll in Liga drei

Staatsanwaltschaft fordert harte Strafe – Capello geht

Paul Kreiner[Rom]

Im Prozess um den spektakulären italienischen Fußballskandal hat Sport-Staatsanwalt Stefano Palazzi die rechtlich höchstmögliche Strafe für Juventus Turin gefordert: Der italienische Rekordmeister soll in die C-Liga absteigen, dort mit sechs Minuspunkten starten sowie die Meisterschaftstitel 2005 und 2006 zurückgeben. Für die anderen drei angeklagten Spitzenvereine AC Mailand, Lazio Rom und AC Florenz forderte der Ankläger am Dienstag den Zwangsabstieg in die B-Liga sowie für Lazio und Florenz jeweils 15 Strafpunkte, für den AC Mailand dagegen nur drei.

Angesichts der prekären Lage verlassen die ersten Angestellten die vor dem Niedergang stehenden Vereine. Fabio Capello trat am Dienstag als Trainer von Juventus zurück, teilte der Verein mit. Zeitungsberichten zufolge soll es den 60-Jährigen zu Real Madrid ziehen.

Die angeklagten Vereinsmanager sowie die Spitzen des Italienischen Fußballverbandes sollen nach dem Willen des Staatsanwalts mit fünf Jahren Tätigkeitsverbot bestraft werden; nur der Vizepräsident des AC Milan, Adriano Galliani, würde mit drei Jahren davonkommen. Lebenslanges Berufsverbot sowie Geldstrafen von teils 5000 Euro verlangt Palazzi für die Schiedsrichter, die der Manipulation von Spielen und der Gefügigkeit gegenüber den Vereinsmanagern angeklagt sind.

Der Staatsanwalt sagte, aus dem Beweismaterial gehe „mit außerordentlicher Klarheit“ hervor, dass die Angeklagten einen regelrechten „Ehrenpakt“ zur Manipulation des italienischen Spitzenfußballs und zur Verletzung der „heiligen Unparteilichkeit der Schiedsrichter“ geschlossen hätten. Um ja nicht den Schein von Unregelmäßigkeiten aufkommen zu lassen, habe der Generaldirektor von Juventus Turin, Luciano Moggi, sogar die Medien für sich eingespannt. Auf diese Weise sollen Erstligaspiele seit Jahren systematisch verschoben worden sein.

In ihren ersten Reaktionen wiesen die Angeklagten erneut jede Schuld oder Mitwisserschaft zurück. Silvio Berlusconi als Eigentümer und Präsident des AC Milan sagte, er sei entrüstet; hinter der Anklage steckten lediglich politische Motive, und diese seien „im Sport absolut inakzeptabel“. Sein Klub, so sagte Berlusconi im Gegensatz zur Darstellung des Staatsanwalts weiter, sei immer nur das „Opfer“ jener Schiedsrichterentscheidungen gewesen, die anderen Vereinen zugute gekommen seien.

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