Sport : „Kahn ist jetzt unsterblich“

Sportmarktforscher Zastrow über die T-Frage

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Herr Zastrow, hat Oliver Kahn seine eigene Legende zerstört, weil er den Status der Nummer zwei akzeptiert hat?

Nein. Was er da abgeliefert hat, war zwar eine unwahrscheinliche Überraschung. Im Endeffekt hat er dadurch allerdings weder groß an Image verloren noch gewonnen, das ist quasi imageneutral verlaufen.

Aber das Bild vom unantastbaren Kahn ist dahin.

Er ist in der sportlichen Position herabgestuft worden, aber er ist immer noch eine Lichtgestalt des deutschen Sports. Geändert hat sich lediglich die Rolle, die er einnimmt. Vorher war er der klassische Held, jetzt ist er der tragische Held und dadurch unsterblich geworden. Er hat sich nicht beleidigt in die Ecke zurückgezogen, sondern wirkliche Größe gezeigt. Diese Rolle kann ihn auch ganz schnell wieder auferstehen lassen. Dazu braucht gar nicht viel passieren, eine Verletzung von Lehmann reicht. Ich glaube, dass das für Kahn noch nicht vorbei ist.

Ist dieser Rollenwechsel glaubhaft?

Aus dem Gefühl heraus würde ich sagen ja. Wir haben sofort nach der Pressekonferenz alle möglichen Blitzumfragen im Internet überprüft, und im Durchschnitt fanden 80 Prozent Kahns Entscheidung gut.

Es gibt Menschen, die behaupten, Oliver Kahn habe bei seiner Entscheidung vor allem auf seine Sponsoren gehört.

Natürlich richten sich alle Augen auf die WM, und seine Sponsoren wären wohl nicht begeistert gewesen, wenn er da gefehlt hätte. Ich glaube aber nicht, dass Kahn seine Entscheidung von ein paar hunderttausend Euro abhängig gemacht hat. Der hat sicher mehr als zwei Erbsen auf dem Teller und wird sich auch ohne WM irgendwie ernähren können.

Die Fragen stellte Christian Hönicke.

Hartmut Zastrow (43) ist Vorstandsvorsitzender der

Kölner Marktforschungsagentur „Sport + Markt“,

die sich unter anderem mit Sponsoring im Sport beschäftigt.

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