Sport : Kaiserslautern - Mönchengladbach: Die Geschichte wiederholt sich

Martin Breutigam,Martin Hägele

Es war im April 1998. Der 1. FC Kaiserslautern kämpfte um die Meisterschaft, Borussia Mönchengladbach gegen den Abstieg. Auf dem Betzenberg sah es am drittletzten Spieltag jedoch nach einer großen Überraschung aus. 2:0 führten die Außenseiter aus Mönchengladbach, doch dann erzielte Olaf Marschall noch drei Treffer für seine Mannschaft - den letzten in der 94. Minute. Gestern Abend war es genauso. Mönchengladbach führte nach zwei Toren von Arie van Lent wieder mit 2:0, am Ende lief alles so wie einst im April. Mit einem Glücksschuss in letzter Sekunde sicherte Hany Ramzy dem 1. FC Kaiserslautern den Sieg gegen den Aufsteiger.

Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de
Online-Umfrage: Gucken Sie Bundesliga zukünftig lieber auf Premiere? Auf dem Betzenberg kommt so etwas häufiger vor. Roland Schmider, ehemaliger Präsident des Karlsruher SC, schwor einmal, nie wieder den Betzenberg zu betreten, weil dort Spiele 95 Minuten dauern, und man eine Partie noch verlieren kann, "selbst wenn du am Ende der regulären Spielzeit geführt hast". Die Erfahrung, die Schmider oft genug gemacht hat, ist Hans Meyer schon bei seinem ersten Besuch als Bundesliga-Trainer nicht erspart geblieben.

Die Fans im Gästeblock sangen bereits ihre Hymnen auf Arie van Lent, und es bestand sogar die Aussicht, dass der Herr Meyer mit seinen Leuten in der Nacht als Tabellenführer an den Niederrhein zurückfahren würde. In der 67. Minute aber drosch Mario Basler aus 30 Metern aufs Borussia-Tor, so wie das nur einer tut, den Wut und Frust plagen und dem das Spiel eigentlich wurscht ist. Es war ein Alibi-Schuss. Torwart Jörg Stiel, der schon in die richtige Ecke unterwegs war, hätte den Ball problemlos gefangen, wenn nicht Abwehrspieler Steffen Korell dem Ball eine andere Richtung gegeben hätte - und dem Spiel.

Nach diesem unverschämt glücklichen Anschlusstreffer erwachte das Fritz-Walter-Stadion noch einmal zum Leben, die zuvor vor allem im Kopf sehr munteren Borussen zeigten immer wieder athletische und mentale Lähmungserscheinungen. Der eingewechselte Asanin, eigentlich der routinierteste Gladbacher, stellte sich im Zweikampf mit Olaf Marschall so an, wie man das in der 89. Spielminute auf dem Betzenberg nicht tun sollte. Den Elfmeter verwandelte Harry Koch zum 2:2. Und so tickten die Uhren auf das Mönchengladbacher Déjà-vu hin. Fünf Minuten später, ein letztes Mal kreuzte sich der Flug des Balles mit Korells Lauf. Überall hätte der Abwehrspieler hinköpfen können, nur nicht vor die Füße Hany Ramzys. Der hat in ähnlichen Situationen schon die Eckfahne getroffen, aber in diesem Moment war irgendwie klar, dass der Ball unhaltbar für Stil ins Tor gehen würde. So kam es.

Die Profis aus Gladbach flohen anschließend in die Kabine, nur Max Eberl wurde einen vernünftigen Satz los: "Wir müssen lernen, nach 70 Minuten einen Vorsprung über die Zeit zu bringen, wenn wir in der Bundesliga bleiben wollen." Lauterns Trainer Andreas Brehme konnte erst gar nicht reden, weil er so fertig war. Dann sagte er: "Wir dürfen nicht in rosarote Zeiten verfallen und glauben, wir sind jetzt die Größten."

0 Kommentare

Neuester Kommentar