Sport : Kampf in der Arena

In einem harten Derby verschenkt der FC Schalke 04 gegen Borussia Dortmund den Sieg – nach einer 2:0-Führung reicht es nur zu einem 2:2

Felix Meininghaus

Gelsenkirchen. Was haben sie in den vergangenen Tagen auf Schalke gemeckert über den Spielplan, den ihnen die Deutsche Fußball Liga vorgesetzt hatte: Gleich zu Saisonbeginn stand das Revierderby gegen Borussia Dortmund an. Viel zu früh käme ein solch wichtiges Spiel, schimpfte Manager Rudi Assauer. Der neue Trainer Jupp Heynckes argwöhnte sogar, die Mannschaft sei noch nicht reif für ein Gipfeltreffen mit gesteigertem Adrenalinspiegel: „Die Jungs stehen sich noch zu oft selbst im Weg", sagte der 58-Jährige vor dem Anpfiff.

Beinahe hätten die Schalker den ersten Spieltag der 41. Bundesliga-Auflage dennoch gepriesen: Eine Stunde lang agierten sie vor 61 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena Auf Schalke wie entfesselt, doch am Ende verspielten sie noch leichtfertig einen 2:0-Vorsprung. Das 122. Duell der beiden Branchenführer aus dem Pott wird mit einem 2:2 (1:0) in die Statistik eingehen – ein Resultat, das den Gästen schmeichelt.

Intensiv, leidenschaftlich, temporeich: Von der ersten Spielminute an legte Schalke los, als habe es die schlimmen Heimauftritte der vergangenen Spielzeit alle nicht gegeben. Dem Elan der Gastgeber waren vor allem die viel zu langsamen Dortmunder Lars Ricken und Guy Demel im zentralen Mittelfeld nie gewachsen.

Rudi Assauer konnten die augenscheinlichen Vorteile nur recht sein. „Ich erwarte absolute Wiedergutmachung“, hatte der Manager zuvor unmissverständlich gefordert. Die Spieler versuchten, dem hohen Anspruch gerecht zu werden. Schalke zeigte zunächst, dass die Zeiten der spielerischen Armut vorbei zu sein scheinen.

Was gegen Dortmund vor allem das Verdienst eines Mannes war: Hamit Altintop feierte eine sensationelle Bundesligapremiere im blau-weißen Trikot. Über weite Strecken war der 20-jährige Türke, der in der vergangenen Saison noch für Wattenscheid in der dritten Liga gekickt hatte, die überragende Erscheinung. Sein 1:0 war ein fulminanter Einstand auf der neuen Bühne, das 2:0 war ebenfalls gekonnt gemacht. Dazu kamen ein halbes Dutzend starker Szenen. Eindrucksvoller ist selten ein Bundesliga-Neuling durchgestartet.

Richtig glücklich konnte Altintop mit dem Spiel indes nicht sein, weil es auch ihm nicht gelang, das Ergebnis über die letzte halbe Stunde zu retten. Wobei auch der Dortmunder Anschlusstreffer einem Spieler gebührte, der gleich bei seinem ersten Bundesliga-Auftritt für Aufsehen sorgte: Flavio Conceicao war erst Mitte der Woche aus Madrid nach Dortmund gekommen, beim Derby saß er aufgrund fehlender Vorbereitung erst einmal auf der Bank.

Doch bereits fünf Minuten nach seiner Einwechselung zeigte der 58-malige brasilianische Nationalspieler, wie wertvoll er für seinen neuen Arbeitgeber werden kann: Klasse, wie er den Freistoß zum Anschluss ins Netz zirkelte. Nicht nur aufgrund solcher technischer Fähigkeiten zeigte sich BVB-Trainer Matthias Sammer beeindruckt. „Es ist allein schon toll, was er auf dem Platz ausdrückt an Körperhaltung und an Körpersprache“, lobte Sammer. Das war tatsächlich wesentlich mehr als das, was Conceicaos müde Nebenleute zu bieten hatten.

Dennoch reichte es zum Ausgleich in der Schlussminute, als Amoroso einen Abpraller aufnahm und versenkte. Damit nicht genug: In der Nachspielzeit verloren die Schalker auch noch Gerald Asamoah, der gegen Amoroso nachtrat und für diese Dummheit die Rote Karte sah. Es war der Schlussakkord in einem harten, hektischen Derby. Dabei hatte Heynckes nach neun Schalker Platzverweisen in der vergangenen Spielzeit noch gefordert, die Spiele in voller Besetzung zu beenden. Das hat erst mal nicht geklappt, was der Trainer aber mit Milde zur Kenntnis nahm: „Bei diesen Temperaturen und dieser Luftfeuchtigkeit hätte Asamoah in der Endphase wohl etwas Sauerstoff benötigt.“

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