Sport : Kampf ums Selbstbewusstsein

Nach sieben Monaten gibt Pederson sein Comeback für die Eisbären – beim Spitzenspiel in Frankfurt

Katrin Schulze,Claus Vetter

Berlin - Denis Pederson legt die Stirn in Falten. Eine doppelte Leistenoperation hat er hinter sich. „Wenn man so lange Schmerzen hatte, denkt man immer, dass sie noch irgendwie da sind“, sagt er. Ausgerechnet Pederson redet von Schmerzen, der Eishockeyprofi, den bei der Verrichtung seiner Arbeit nichts so schnell umzuhauen scheint. Der große kräftige Mann hat bei den Berliner Eisbären in den vergangenen Jahren immer so gerackert, wie kaum einer seiner Kollegen – fast bis zum Ende der vergangenen Saison. Da verletzte sich der Kanadier, musste beim letzten Saisonspiel der Eisbären passen. Die Berliner verloren es am 13. März 0:6 bei den Frankfurt Lions – dort wo sie heute Abend wieder antreteten müssen. Erstmals wieder mit Denis Pederson, der nach über sieben Monaten endlich wieder spielen kann.

Die Zeit war hart. Wochenlang hat der 32-Jährige an seiner Fitness gearbeitet, Ausdauer-, Kraft- und vor allem das Eistraining. „Es ist schwierig, nach so langer Zeit die verschiedenen Komponenten gleichermaßen abzurufen“, sagt er. Dass sich die Arbeitstage gelohnt haben, dessen ist sich Trainer Don Jackson sicher: „Denis ist ein Schlüsselspieler, der vor allem im Überzahlspiel sehr wichtig ist.“ Der lange in der National Hockey-League engagierte Profi sei für die Eisbären „unersetzlich“. Dem Gelobten wird das dann doch ein wenig zu viel. Zwar sei sein Fitnesszustand hervorragend, sagt Pederson, dennoch könne er nach sieben Monaten ohne Spielpraxis noch nicht in Topform sein. „Erst nach mehreren Spielen werde ich wieder so selbstbewusst auftreten können wie früher“, sagt er.

Dass der Kanadier ausgerechnet zum Spitzenspiel der Deutschen Eishockey-Liga beim Tabellenführer aus Frankfurt (19.30 Uhr, live auf Premiere) wieder eingreifen kann, spielt für ihn selbst angeblich keine Rolle – obwohl seine bislang letzte Fahrt nach Frankfurt ja nicht so angenehm ausklang. Als Zuschauer sah Pederson das 0:6-Debakel und soll dann später im Mannschaftshotel noch mit dem scheidenden Trainer Pierre Pagé aneinandergeraten sein. Das ist unschöne Vergangenheit, die Gegenwart der Eisbären ist schöner: Nach acht Siegen in neun Spielen ist die heutige Partie für die Eisbären ein entscheidender Gradmesser ihrer tatsächlichen Stärke in der noch jungen Saison. Bisher haben sie vor allem gegen Teams aus der unteren Tabellenhälfte gespielt. „Frankfurt ist die erste Play-off-Partie der Spielzeit“, sagt Kapitän Steve Walker. Auch Jackson sieht das Spiel als „großen Test, um zu beweisen, dass wir eine Topmannschaft der Liga sind“. Was für einen Erfolg des EHC in der heutigen Begegnung spricht, ist die Philosophie innerhalb der Mannschaft. Für Rückkehrer Denis Pederson ist das die entscheidende Veränderung im Vergleich zur vorigen Saison. „Obwohl ich nicht oft bei den Jungs war, merke ich, dass sie viel Spaß an der Sache haben und im Team denken“, sagt er, „das war in der vergangenen Saison nicht immer so.“

Während Denis Pederson nun wieder angreifen will, müssen die Eisbären in den Vorrundenspielen auf seinen jungen Sturmpartner André Rankel verzichten. Beim Heimspiel gegen den EHC Straubing verletzte er sich im letzten Drittel bei einem Stoß gegen die Bande und wird nun bis mindestens Februar ausfallen. Das ist ein Ausfall, der die Eisbären ähnlich schmerzt wie der von Pederson.

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