Karten-Orgie : Blatter verärgert über Schiedsrichter Iwanow

Fifa-Boss Sepp Blatter hat den Unparteiischen des Skandalspiels Portugal-Niederlande, Walentin Iwanow, scharf kritisiert: "So ein Schiedsrichter verdient selbst die Gelbe Karte."

Berlin - Die Unparteiischen geraten bei der Fußball-WM immer stärker ins Fadenkreuz der Kritik. "So ein Schiedsrichter verdient selbst die Gelbe Karte", wetterte Joseph Blatter, der Präsident des Weltverbandes Fifa, nach dem Achtelfinal-Skandalspiel zwischen Portugal und den Niederlanden (1:0) über den russischen Referee Walentin Iwanow. "Er war nicht auf dem Niveau der beiden Mannschaften", sagte der Schweizer dem portugiesischen TV-Sender SIC. "Eine solche Begegnung braucht aber einen Unparteiischen, der das Spiel lesen und sich diesem anpassen kann. Dies war nicht der Fall."

Blatter ist besonders erbost über die zunehmenden Fehleistungen, weil er das Thema nach der Kritik an den Referee-Auftritten bei der WM 2002 zur Chefsache erklärt hatte. Iwanows Karten-Orgie mit vier Gelb-Roten Karten und weiteren acht Verwarnungen ist der negative Höhepunkt gewesen. "Er hat die Gelbe Karte nicht mehr weggesteckt und die ganze Zeit in der Hand gehabt", empörte sich der niederländische Stürmer Ruud van Nistelrooy am Sonntagabend.

Vier Platzverweise hatte es noch nie in einem Spiel einer WM- Endrunde gegeben. Damit stieg die Zahl der Hinausstellungen beim Turnier in Deutschland auf die Rekordmarke von 23. Bei der WM 1998 in Frankreich wurden in 64 Spielen insgesamt 22 Spieler vorzeitig in die Kabine geschickt.

Drei Tage zuvor war Blatter schon in Rage geraten, nachdem der Engländer Graham Poll mit seinen drei Gelben Karten für den Kroaten Josip Simunic für eine Blamage gesorgt hatte. Dabei hatte der Fifa- Chef auf Teamgeist gesetzt und nur Schiedsrichter-Trios nominiert, die mindestens seit zwei Jahren in ihren Länder zusammen Spiele leiten. "Zudem wurden alle physisch und psychisch auf Herz und Nieren getestet", sagte Fifa-Mediendirektor Markus Siegler.

Für den deutschen Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel, der bei der WM-Nominierung am Ende keine Berücksichtigung fand, ist es nicht verwunderlich, dass seine Kollegen bei der WM-Endrunde immer stärker unter Druck und in Bedrängnis geraten. "Die Schiedsrichter sind nicht besser oder schlechter als vor vier Jahren", meinte der 42-Jährige aus Kyllburg am Montag auf dpa-Anfrage. "In der Vorrunde waren es Schönwetterspiele. Jetzt kommen die großen Mannschaften, die ihr Spiel durchsetzen wollen. Da geht es anders zur Sache."

Obwohl er bei Iwanow etwas "Fingerspitzengefühl" vermisste, wollte Fandel den Russen nicht verdammen. "Alle Platzverweise waren berechtigt", stellte er fest und betonte: "Grundsätzlich haben aber die Mannschaften getreten." Vergleichbar mit spektakulären "Kartenspiel" in Nürnberg ist nur noch das WM-Spiel 2002 zwischen Deutschland und Kamerun. Der spanische Schiedsrichter Antonio Jesus Lopez Nieto (Spanien) kam mit zwei Mal Gelb-Rot aus, zückte dazu aber noch zwölf Mal Gelb.

Während Iwanow und Poll wohl schon ihre WM-Abreise am Freitag planen können, machen sich die 19 anderen Referee-Trios noch Hoffnungen auf weitere Einsätze. Die Fifa-Schiedsrichterkommission wird am Mittwoch unter der Leitung von Angel Maria Villar Llona in Frankfurt/Main über die Nominierungen ab dem Viertelfinale entscheiden. "Wer und wie viele Referees bleiben, ist Gegenstand der Sitzung", sagte Fifa-Sprecher Andreas Werz. Noch im Rennen dabei ist auch Markus Merk (Otterbach), der bereits drei Mal eingesetzt wurde. (tso/dpa)

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