Sport : Kasseler Spieler rebellieren

Unruhe beim DEL-Klub nach Trainerentlassung

Claus Vetter

Berlin - Tobias Abstreiter war bei den Kassel Huskies mehr als nur ein Eishockey-Profi. Im Frühjahr vergangenen Jahres, als die Hessen nach dem Zwangsabstieg des EHC doch noch den Klassenerhalt in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) geschafft hatten, profilierte sich Abstreiter im Nebenjob als Manager. Denn die Huskies hatten zu diesem Zeitpunkt weder einen Trainer, einen Manager oder eine DEL-taugliche Mannschaft. Mit seinen guten Kontakten gelang es dem ehemaligen Nationalspieler Abstreiter ein wettbewerbsfähiges Team zusammenzustellen. Und den passenden Trainer holte er gleich dazu: Seinen ehemaligen Mitspieler Bernhard Englbrecht. Der wurde nun aber am Dienstag von den Huskies beurlaubt. Zuvor hatten die Huskies herbe Niederlagen gegen Düsseldorf (3:10) und Mannheim (0:3) erlitten und waren auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht. Trotzdem war Abstreiter mit der Entlassung von Englbrecht nicht einverstanden. Daher will er den Klub nun auch verlassen – freiwillig.

Abstreiters Tat kommt durchaus überraschend, denn er ist der Liebling der Kasseler Fans. Denen dürfte es nicht gefallen, dass der Abgang von Vereinsseite in einer Mittelung recht lapidar kommentiert wurde. „Das Management der Kassel Huskies ist bestrebt, schnell einen adäquaten Ersatz zu verpflichten“, hieß es am Donnerstag. Vorher soll Abstreiter, der nicht mehr am Training teilnimmt, keine Freigabe erhalten. Gespräche zwischen dem neuen Trainer Stephane Richter und Abstreiter waren gescheitert. Auch Klub-Chef Rainer Lippe konnte den Spieler nicht umstimmen. Abstreiter sagte: „Ich sehe für mich in Kassel keine Zukunft mehr. Lippe hat vor der Saison versprochen, sich aus sportlichen Dingen rauszuhalten. Er hat sein Wort gebrochen.“

Abstreiter wird keine Probleme haben, einen neuen Klub zu finden. Die Hamburg Freezers haben bereits Interesse signalisiert. Im Team der Huskies herrscht derweil Unruhe. „Die Entlassung von Englbrecht stößt in der Mannschaft auf Unverständnis. Wir waren mit ihm auf einem guten Weg“, sagte Stürmer Steffen Ziesche. Der gebürtige Berliner, der dem Spielerrat des Teams angehört, war ebenso wie seine Teamkollegen erst beim Training am Dienstagmorgen von der Entscheidung informiert worden. „So etwas habe ich noch nie erlebt, dass man nicht mal den Kapitän oder den Spielerrat vorab informiert“, sagte Ziesche.

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