Sport : Kein Mann für Hertha

Der Trip nach Genua hat Nené nicht vorangebracht

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Berlin. Um 3 Uhr 30 in der Nacht zum Sonntag waren Sead Zilic und Benjamin Köhler wieder zu Hause. Hinter ihnen lag ein anstrengender Kurztrip nach Genua. Abflug am Sonnabendnachmittag, Ankunft in Schönefeld drei Stunden nach Mitternacht. Dazwischen, so hatten es sich Zilic und Köhler erhofft, sollten sie Fußball spielen. Daraus wurde nichts. Die beiden Youngster waren die Einzigen, die bei Herthas Gastspiel nicht eingesetzt wurden. Ein Gastspiel, das einiges Geld in die Kasse des Berliner Fußball-Bundesligisten brachte, aber auch mit erheblichen Strapazen verbunden war. Und bei dem es nach zwei torlosen Unentschieden zudem zwei Niederlagen im Elfmeterschießen gab. „Aber die Ergebnisse waren doch völlig unbedeutend. Wichtig waren die Erkenntnisse, die ich gewonnen haben“, kommentierte Huub Stevens, Herthas Trainer.

Welche Erkenntnisse, wollte er nicht verraten. Vielleicht die, dass Nené wohl keinen Vertrag bekommt. Der Brasilianer war der Einzige, der in beiden über jeweils 45 Minuten gehenden Spielen getestet wurde. Und offenbar für zu leicht befunden wurde. Besonders gegen Sampdoria Genua lag er daneben. Stevens: „Da habe ich von ihm viele Stellungs- und Abspielfehler gesehen.“ Später, beim Duell mit Inter Mailand, sei er besser gewesen. Aber wohl nicht so gut, dass man an eine Verpflichtung denkt. Wahrscheinlich wird er auch am Dienstag zum Freundschaftsspiel beim PSV Eindhoven gar nicht mehr mitgenommen.

Nicht so recht zufrieden kehrten auch Kostas Konstantinidis und Rob Maas vom Kurztrip zurück. Der Grieche vergab beim 3:5 gegen Genua den entscheidenden Elfmeter, der Niederländer beim 4:5 gegen Inter. „Ich habe den Ball nicht sonderlich platziert geschossen. Allzu ernst hat die Sache aber niemand genommen“, meinte Maas. „Mit den beiden Unentschieden können wir leben.“

Nicht leben wollte Stevens mit der überharten Gangart der Genueser. „In so einem Freundschaftsspiel darf man nicht so spielen. Da ist die Verletzungsgefahr viel zu groß“, kritisierte Stevens auch gestern noch. Für Maas haben die Gastgeber „immer wieder von hinten in die Beine getreten. Das war schon ganz schön brutal.“ Stevens erboste sich derart, dass er nach hitzigen Debatten mit dem Schiedsrichter und dessen Assistent der Bank verwiesen wurde. Leider habe der Schiedsrichter weder Deutsch noch Englisch und auch nicht Niederländisch gesprochen. „Da gab es einige Verständigungsprobleme“, sagte der Hertha-Trainer. Als die nicht ausgeräumt werden konnten, verwies ihn der italienische Referee des Platzes auf der Bank. „Ich musste aber nicht auf die Tribüne, sondern habe mich einfach auf die andere Seite der Bank begeben.“

Später, gegen Inter (ohne den Noch-Urlauber Ronaldo, um den sich Real Madrid bemüht), durfte Stevens wieder auf der anderen Bankseite Platz nehmen. Von dort sah er das Debüt Luizaos im Hertha-Trikot. Dass das nicht sonderlich spektakulär ausfiel, war ihm natürlich nicht entgangen. „Was anderes hatte ich auch gar nicht erwartet. Schließlich hat Luizao erst seit einer Woche mittrainiert. Da kann er noch gar nicht fit sein“, kommentierte Stevens. In Eindhoven, wo Stevens einst kickte und später trainierte, erhofft er sich weitere Erkenntnisse. Dass Luizao am Freitag beim Bundesliga-Start in Dortmund von Anfang an mitmacht, ist wenig wahrscheinlich.

Gestern war freier Tag, das heutige Vormittagstraining wurde abgesagt. Eine willkommene Pause in diesen höchst stressigen Tagen. Auch für Zilic und Köhler. Die mussten auch gestern mit den Amateuren beim Oberliga-Auftakt gegen den Köpenicker SC nicht ran. Klaus Rocca/André Görke

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