Sport : Kein schöner Wurf

Handball-Bundesliga streitet mit Deutschem Sportfernsehen

Erik Eggers

Eine heikle Angelegenheit im deutschen Handball ist das Thema TV-Rechte. Vor zwei Wochen noch schien alles geregelt. Damals berichtete Frank Bohmann, der neue Geschäftsführer der Handball-Liga, vom baldigen Vetragsabschluss mit dem Deutschen Sportfernsehen (DSF) und der Sportagentur der Öffentlich-Rechtlichen, SportA. Doch jetzt, keine vier Wochen vor dem Saisonstart der Handball-Bundesliga, stellt sich plötzlich heraus, dass die Vertragsentwürfe noch nicht unterschriftsreif sind.

Grund der neuen Diskussionen: Das DSF will neben 28 Live-Spielen an Dienstagen fünf weitere Partien an den Wochenenden live übertragen, dabei aber nun, wie Bohmann anmerkte, „am unternehmerischen Risiko beteiligt werden“. Im Klartext: Das DSF will sich Produktionskosten und Erlöse mit der Liga teilen.

Opposition formiert sich

Zwar ist das „noch in der Verhandlungsphase“, sagt Bernd-Uwe Hildebrandt, Manager des SC Magdeburg und einer der Verhandlungsführer, weshalb auch noch keine Zeit gewesen sei, über die finanzielle Seite des Vertrages zu reden, „inhaltlich und redaktionell sind wir uns aber einig“. Schon jetzt formiert sich eine starke Opposition, obwohl einige Klubs nur teilweise informiert sind: „Es wird keinen Vertrag mit dem DSF geben“, sagt ein einflussreicher Manager, „wenn bei einer gemeinsamen Vermarktung nicht ein Betrag X rauskommt.“

Thorsten Storm vom Vizemeister SG Flensburg-Handewitt formuliert es eindeutig: „Unsere attraktive Sportart hat es nicht nötig, für die Übertragung zu zahlen.“ Dabei ist eine derartige Praxis in der Vergangenheit schon vorgekommen: „In der letzten Saison ist schon von Mannschaften Geld bezahlt worden, damit die Spiele dort übertragen werden“, sagt Klaus Schorn, der Macher des TuSEM Essen. Viele Manager der Liga befürchten hingegen Auswirkungen auf den zweiten Verhandlungspartner. Warum soll die SportA für die Übertragungsrechte im Dritten Programm zahlen, wenn auf der anderen Seite das DSF sich die Produktionen bezahlen lässt?

MDR überträgt sechs Spiele live

Die Verhandlungen mit der SportA scheinen davon jedoch nicht betroffen. Hier gilt ein Fünfjahresvertrag als sicher. Lediglich mit dem Deutschen Handball-Bund (DHB) gibt es noch Details über eine gemeinsame TV-Vermarktung zu klären, lässt Hildebrandt durchblicken, aber notfalls werde die Liga einen separaten Vertrag mit der SportA abschließen. Klar ist bereits, dass der MDR im 3. Programm sechs Magdeburger Spiele bis Weihnachten live ausstrahlen wird, auch WDR und HR haben Zusagen gegeben.

„Nicht mehr Sport“ werde die ARD künftig senden, verkündete Programmdirektor Günter Struve letzte Woche bei der Präsentation der Sportschau, „sondern hochwertigeren“. Was dies bedeutet, ist klar, es wird vor allem auf den Fußball gesetzt. Dass sich die „gute, alte Sportschau“ negativ auswirkt auf andere Sportarten, hatten spätestens da alle verstanden. Deshalb hat sich die Liga auch Hoffnungen auf Handballsendungen im Ersten Programm abgeschminkt.

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