Sport : Keine Party ohne Deutsche

NAME

Von Roberto Beccantini,

WM-Korrspondent der italienischen Zeitung „La Stampa“

15 Weltmeisterschaften gespielt, sieben Mal ins Finale gekommen: das ist eine Kontinuität, die ihresgleichen sucht. Was mir an den Deutschen gefällt, ist dieser Esprit, dieser Wille, oft über die eigenen Grenzen zu gehen. Ich habe für sie stets nur Bewunderung verspürt, keinen Neid. Sicher, sie sind auch nicht unschlagbar, siehe ihre blamable EM 2000. Aber sie stehen eben auch schneller wieder auf als andere.

Als wolle er unseren Catenaccio nachahmen, baut Rudi Völler auf seine stets zuverlässige Abwehr und darauf, dass die erfreulichste Entdeckung des Turniers, Miroslav Klose, vorne die Tore macht. Es tut mir so leid für Michael Ballack, dass er gesperrt ist. Er ist einer der komplettesten Mittelfeldspieler, die es momentan gibt, ganz in der großen Tradition der Teutonen. Ohne ihn wird Deutschland so spielen, wie auch Italien es getan hätte: hinten sicher stehen, und dann auf Konter lauern.

Ihr Deutschen seid eben genauso wenig Ästheten wie wir. Was bei Euch zählt, ist das Ergebnis. Brasilien will seinen Spaß haben, Ihr wollt gewinnen. Giovanni Trapattoni hat in Bayern tiefe Spuren hinterlassen: Deutschland kommt regelmäßig ins Finale und man denkt sich, nicht schon wieder die, das ist doch ein alter Hut. Dem großen englischen Stürmer Gary Lineker zufolge haben die Engländer den Fußball erfunden, damit die Deutschen ihn gewinnen können. Deutschland ist die große alte Dame des internationalen Fußballs, ohne sie steigt keine Party.

Wir Italiener verdanken den Deutschen den außergewöhnlichsten aller unserer Siege, das 4:3 in Mexiko 1970, und unsere letzte Krone: 1982 in Spanien haben wir Euch 3:1 geschlagen. Vielleicht fühlen wir uns deswegen nicht klein neben Eurer Größe. Einen schwachen Trost haben wir auch noch: Mit Schiedsrichter Pierluigi Collina, der bekanntesten Glatze unseres Landes, steht auch ein Italiener im Finale. Doch das große Duell, das die Welt begeistern wird, lautet Kahn gegen Ronaldo.

Übersetzt von Martín E. Hiller

0 Kommentare

Neuester Kommentar