Sport : Kick and rush auf Schwedisch

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Von Christoph Daum

Im Mutterland des Fußballs schlug Sven-Göran Eriksson nach seiner Nominierung als Nationaltrainer Ablehnung entgegen. Einer aus dem Land der Wintersportler als Cheftrainer in England - das sprengte das Vorstellungsvermögen der traditionsbewussten Briten. Doch Eriksson ließ sich nicht beeindrucken und baute eine neue, junge Mannschaft auf.

Nach dem 5:1 über Deutschland erhielt Eriksson selbst von ärgsten Kritikern den Ritterschlag. Er hatte es geschafft, das typisch britische, die langen Bälle in den gegnerischen Strafraum hinein (the ball in the box) mit einem sicheren Kombinationsspiel zu verbinden. Kick and rush und kreativer Spielaufbau: das war neu und erfolgreich.

Doch würde es auch gegen Argentinien reichen? Die Anfangsphase dieser Partie in der groupo del muerto, der Todesgruppe, war geprägt von Nervosität; gelungene Kombinationen waren selten. Beide Teams waren gut aufeinander eingestellt. Die Schaltstationen, Beckham auf der einen Seite, Veron auf der anderen, ließen sich weit zurückfallen: um das Spiel aus der Tiefe zu gestalten, um sich Raum und Zeit zu verschaffen, um sich der gegnerischen Deckung zu entziehen und die eigene zu stärken.

Beckham war mit seinem variablen Spiel effektiver als Veron und England dadurch gefährlicher. Erikssons Mannschaft schaltete gut um vom sicheren Kurzpassspiel auf raumgreifende Konter. In der zweiten Halbzeit demonstrierten die Engländer taktisches Geschick: Sie schalteten von 4-4-2 auf 4-5-1 um, zeigten zudem hohen, zuweilen rustikalen Einsatz.

Das sah für neutrale Zuschauer oder Fußballästheten nicht immer schön aus, aber für die englischen Fans wurde hier mit Herz und Willen gekämpft. Eriksson bewies, dass seine junge Truppe auch unter absolutem Druck erfolgreich sein kann. Die Argentinier schalteten zu spät auf Angriff um. Gegen die Willenskräfte der Engländer kamen sie mit ihren spielerischen Mitteln nicht mehr an.

Für Beckham war das ein ganz besonderer Tag. Vor vier Jahren, bei der WM in Frankreich, galt er nach seinem überflüssigen Platzverweis im Spiel gegen Argentinien als der allein Schuldige an der Niederlage. Mit seinem entscheidenden Elfmetertor gelang ihm jetzt die Revanche. Eine Genugtuung - für ihn und für eine ganze Fußballnation.

Der Fußballlehrer Christoph Daum analysiert an dieser Stelle täglich die WM.

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