• Kipke - ein Mengele? Der Vorwurf des Anwalts kann nur ein Blackout gewesen sein (Kommentar)

Sport : Kipke - ein Mengele? Der Vorwurf des Anwalts kann nur ein Blackout gewesen sein (Kommentar)

fmb

Lothar Kipke war Verbandsarzt der DDR-Schwimmer, er legte die Anabolika-Dosierungen von 13-, 14-, 15-jährigen Mädchen fest, er nahm Schädigungen bewusst in Kauf. Das ist brutal, menschenverachtend, aber Lothar Kipke ist kein Monster. Das weiß auch Michael Lehner. Und doch verkündet der Anwalt, im gestrigen Dopingprozess Nebenkläger, in eine TV-Kamera: "Kipke war der Mengele des DDR-Dopingsystems." Kipke, ein Mengele? Hatte Lehner einen geistigen Aussetzer? Der Vorwurf ist so unglaublich, dass man erst einmal an einen Blackout glauben möchte, zu Lehners Gunsten. Mengele war der wohl perverseste SS-Arzt, er stand an der Rampe von Auschwitz, er führte schrecklichste Experimente an Kindern durch, er operierte - Zwillingsforschung war seine Leidenschaft - ohne Betäubung Minderjährige, um sie anschließend zu töten, er liess einer Mutter, die gerade ein Kind geboren hatte, die Brust abbinden, um zu sehen, wie lange der Säugling überlebt. Ein solcher Mensch soll, übertragen auf die Doping-Ebene, Lothar Kipke gewesen sein?

Aber es war kein Blackout. Lehner ist Medienprofi, er sucht die Journalisten, er spielte bei seinem Plädoyer mit Emotionen, er wusste auch genau, was er in die Kamera sagte. Dass ihm die Schicksale von Doping-Opfern nahe gehen, entschuldigt ihn nicht. Kipkes Antworten vor Gericht klingen für die Doping-Opfer zynisch. Aber Lehners Mengele-Vergleich muss für die Angehörigen der Holocaust-Opfer noch viel zynischer klingen. Ein Anwalt muss mitunter übertreiben, aber es gibt Grenzen. Einen Verbrecher wie Mengele für eigene Zwecke zu instrumentalisieren, geht weit über jede Grenze hinaus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben