Sport : Kirch-Pleite: Plan B

Frank Bachner

Gestern war Andreas Schmidt in einer Berliner Reha-Klinik, einen Freund besuchen. Am Nachmittag war Training. Der Fußballprofi Schmidt hatte einen ausgefüllten Tag. Einen Termin bei Dieter Hoeneß aber hatte er nicht. Kein Gespräch, bei dem der Manager von Hertha BSC seinen Angestellten vorsichtig auf eine Gehaltskürzung vorbereitete. "Hertha ist bisher nicht auf die Spieler zugekommen", sagt Schmidt.

Das kann noch kommen. Denn Kirch Media, Inhaber der TV-Rechte der Fußball-Bundesliga und Geldquelle, aus der bislang jährlich rund 380 Millionen Euro in die Vereinskassen flossen, ist seit Montag insolvent. Und immer noch heißt es, auch Kirchs Pay-TV-Sender Premiere World, auf dem die Partien live ausgestrahlt wurden, stehe vor der Insolvenz. Jetzt ist die Zeit für Plan B gekommen. Hertha BSC bestreitet seinen Etat zu rund 35 Prozent mit TV-Geldern. Und deshalb müssen Klubs wie Hertha sparen, und am wirkungsvollsten sparen sie bei den Spielergehältern. Am Gehalt von Andreas Schmidt zum Beispiel.

Zum Thema Online Spezial: Kirch & Fußballrechte
Schwerpunkt: Bundesliga nach der Kirch-Pleite
Fotostrecke: Pleitewelle - Insolvenzen in Deutschland
Jetzt läuft erstmal eine Pokerpartie. Irgend jemand muss ja in Zukunft die Bundesliga-Spiele übertragen - und dafür möglichst wenig zahlen. Aber die Klubs wollen möglichst viel kassieren. Deshalb redet Hoeneß erstmal die Krise klein. "Ich habe Informationen, dass Premiere auf keinen Fall Pleite geht", sagt er. "Fußball hat dem Sender Abonnenten gebracht. Es wäre Geldvernichtung, wenn man Premiere sterben lassen würde." Bis jetzt kassiert Hertha rund 17 Millionen Euro jährlich an TV-Geldern. Könnte Hertha 15 Prozent weniger verkraften? Und wenn ja, wie lange? "15 Prozent Rückgang können wir überstehen", sagt Hoeneß. Rund drei Monate lang. Am Donnerstag treffen sich alle Bundesliga-Manager, um über die Lage zu reden. Und über die Gehälter.

Andreas Schmidt wäre einer der Betroffenen, aber er weiß nicht so recht, wie er das Thema angehen soll: Gehaltskürzungen. "Wenn ich verzichte und andere nicht, dann überlege ich mir, warum ich denn die Gehälter der anderen mitfinanzieren soll." Dass sein Teamkollege Stefan Beinlich durchaus über einen Gehaltsverzicht reden mag - Schmidt respektiert diese Meinung, aber er übernimmt sie nicht so einfach. "Einer, der sich wie ich im eigenen Verein hochgearbeitet hat, der ist sowieso nicht in die Dimensionen der Spitzenverdiener vorgestoßen."

Schmidt spielt seit Juli 1991 für Hertha. Sein Vertrag läuft bis 2003. Wenn er im Sommer ginge, wäre eine Ablösesumme fällig. Längst werden für Topstars schwindelerregende Summen gezahlt. Damit wird es wohl bald vorbei sein. Auch in England, Spanien und Italien fehlt den Klubs jetzt Geld. Hoeneß kann entspannt den Sommer abwarten. "Da kommen Spitzenleute auf den Markt. Spieler, die man im vergangenen Jahr höchstens ausleihen konnte, stehen jetzt zum Verkauf."Frank Bachner

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben