Sport : Kissenschlacht in Köpenick

Der 1. FC Union enttäuscht die Fans mit einem 0:2 gegen Ahlen

Karsten Doneck

Berlin . Acht Minuten vor Schluss fasste Ingo Peter Mut. Animiert durch einen Platzverweis beim Gegner, wollte der Trainer des Fußball-Zweitligisten LR Ahlen im Duell zweier Abstiegskandidaten beim 1. FC Union mehr Offensive wagen. Mit Cyrelle Bella schickte er einen dritten Stürmer aufs Feld. Der Kameruner war erst knapp 60 Sekunden dabei, da schoss er erstmals aus großer Distanz aufs gegnerische Tor. Schlussmann Robert Wulnikowski konnte den Ball nur wegfausten, Musemestre Bamba staubte zum 1:0 ab. Bella selbst erhöhte in letzter Minute nach einem Konter zum 2:0 (0:0)-Endstand. Und die zahlende Kundschaft auf der Haupttribüne des Stadions Alte Försterei schmiss aus Wut und Enttäuschung Sitzkissen auf den Rasen. „Zu dämlich, zu dusselig“ habe sich seine Mannschaft angestellt, klagte Unions Trainer Mirko Votava.

Dabei bedienten sich die Ahlener, als Vorletzter nach Berlin gereist, ganz einfacher Fußball-Methoden. „Wir haben hinten sicher gestanden und auf Fehler des Gegners gewartet“, sagte Ahlens Abwehrchef Zoran Mamic. Die Partie litt lange unter ihrer Armut an Torraumszenen. Die Erstarrung auf dem Feld löste sich erst, als Unions Thomas Sobotzik erst die Gelbe Karte sah und gerade mal fünf Minuten später für ein weiteres Foul in Nähe der Mittellinie dann Gelb-Rot. Sobotzik ging, bei Ahlen kam Bella – mit dem bekannten Ausgang.

Union hat nun für das nächste Spiel beim Karlsruher SC große Personalprobleme. Neben Sobotzik werden dann auch Torjäger Steffen Baumgart und Björn Joppe gesperrt sein. Beide sahen gegen Ahlen die fünfte Gelbe Karte. Was Votava ärgerte. „Joppe ist jung, ihm mache ich keinen Vorwurf. Aber von routinierten Spielern wie Sobotzik oder Baumgart erwarte ich, dass sie sich mehr zusammenreißen, wenn ihnen eine Sperre droht“, sagte Unions Trainer.

Unions Niederlage wiegt auch deshalb schwer, weil Ahlen mit dem dritten Torhüter angetreten war. Stammkeeper Bernd Meier hatte sich einen Finger gebrochen. Trainer Peter hatte die Wahl, entweder Michael Ratajczak, den Ersatzmann, zwischen die Pfosten zu stellen oder die Nummer eins der in der Oberliga Westfalen spielenden LR-Amateure. Er entschied sich für den Amateurtorwart. Und der heißt Marco Sejna, in Berlin bestens bekannt aus seiner Zeit bei Hertha BSC und Tennis Borussia. „Er ist Berliner. Da habe ich ihn morgens im Hotel gefragt: ,Willst du spielen?’ Und der hat so richtig mit Berliner Schnauze geantwortet: ,Na klar, warum nicht?’ Da wusste ich: Der spielt!“, sagte Ingo Peter. Das Ergebnis bewies: Die Entscheidung war richtig.

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