Sport : Klagen und empören

Wie Hertha sich gegen Verdächtigungen wehrt

Michael Rosentritt

Berlin - Eigentlich wollte Josip Simunic gar nichts sagen. Bevor der Fußballprofi von Hertha BSC gestern Mittag nach dem Auslaufen in sein Auto stieg, drehte er sich kurz um und sagte: „Es ist schlimm, wenn man auf der Straße läuft und sich wie ein Verbrecher vorkommt.“ Das Nachrichtenmagazin „Focus“ hatte am Samstag Simunic und zwei weitere Spieler von Hertha BSC in Verbindung mit dem Wettskandal im deutschen Fußball gebracht. Eine Berliner Boulevardzeitung hatte Fotos der drei Spieler auf die Titelseite gehoben. „Ich werde dagegen klagen“, sagte Simunic, „gegen Focus und andere Medien.“

Einen Tag nach dem 0:0 im Bundesligaspiel zwischen Hertha und dem FC Bayern rückte das Sportliche wieder in den Hintergrund. „So weit ich weiß, werden auch Alexander Madlung und Nando Rafael klagen“, sagte Simunic. Er habe sich einen Anwalt genommen, sagte der kroatische Nationalspieler. Derzeit lasse sich der Schaden, der den Spielern entstanden ist, schwer beziffern. Der „Focus“ hatte auf einen möglichen Zusammenhang zwischen Besuchen der Hertha-Profis im Berliner Café King und der 2:3-Niederlage des Berliner Bundesligisten in der zweiten DFB-Pokalrunde beim Drittligisten Eintracht Braunschweig hingewiesen. Damit waren die drei Hertha-Profis in den Dunstkreis der Manipulation geraten. Daraufhin hatten die drei eidesstattlich ihre Unschuld erklärt.

„Wichtig ist, dass jetzt alle Fakten auf den Tisch kommen, damit die permanente Hexenjagd aufhört“, sagte gestern Falko Götz. Herthas Manager Dieter Hoeneß erhob schwere Vorwürfe gegen einige Medien. „Wir haben acht Jahre lang versucht, Hertha BSC zu einer Marke zu machen, die unbefleckt ist.“ Jetzt seien Verleumdungen und Effekthascherei schuld an einem Rückschritt. Hoeneß kündigte juristische Maßnahmen an. Zur eidesstattlichen Erklärung der Spieler sagte er: „Es ist der einzige Weg, die Spieler aus der Schusslinie zu nehmen.“

Darüber hinaus hat Hoeneß „Focus“-Chefredakteur und Bayern-Aufsichtsratsmitglied Helmut Markwort im Zusammenhang mit dem Bestechungsskandal zu Aufklärungsarbeit aufgefordert. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Herr Markwort in diesen Prozess involviert war. Ich erwarte von ihm, dass auch er Aufklärungsarbeit in dieser Angelegenheit leistet“, sagte der 52-Jährige. Es sei einem Nachrichtenmagazin unwürdig, dass aus einem Besuch eines Cafés eine Belastung hergeleitet würde. „Das ist mir zu weit hergeholt“, sagte Hoeneß.

Der deutsche Fußball müsse sich fragen, ob er das Thema nicht ernst genug genommen habe. „Ich beziehe mich da mit ein“, sagte Hoeneß, „denn auch ich habe so etwas in Deutschland nicht für möglich gehalten.“ Derzeit läuft das Ausschlussverfahren gegen den geständigen Schiedsrichter Robert Hoyzer, der noch Mitglied von Hertha BSC ist. „Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund.“

Auch Trainer Falko Götz konnte nicht ohne weiteres zur Tagesordnung übergehen. Er sei nur froh, dass es gegen die Bayern ging. „Bei einem normalen Gegner wäre die Spielvorbereitung unter diesen Umständen noch schwerer gewesen“, sagte Götz. Das Schlimmste stehe den drei Spielern noch bevor. „Jetzt haben sie mal zwei, drei Tage Zeit über die Verleumdung nachzudenken. Jetzt brauchen sie unsere Hilfe.“

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