Klappenbachs Fußballwelt (6) : Der Star ist der Trainer

Früher fokussierten sich die Fans meist auf die Leistungen ihrer Spieler. Doch inzwischen messen auch die Anhänger Trainerverpflichtungen wie der von Pep Guardiola größerer Bedeutung zu als dem Transfer eines Stürmers.

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Pep Guardiola (links) und sein Bayern-Vorgänger Jupp Heynckes. Foto: dpa
Pep Guardiola (links) und sein Bayern-Vorgänger Jupp Heynckes.Foto: dpa

Der Star ist der Star. Der Star ist die Mannschaft. Alles Vergangenheit. Der Star ist der Trainer. So ist der Stand der Dinge. Ein Beispiel von Montag: Armin Veh von Eintracht Frankfurt soll mit seinem Abgang gedroht haben, wenn der neue Pressechef seinen Job vertragsgemäß aufnehmen sollte. Vor anderthalb Jahren hatte der Journalist den Trainer Veh bei einem Hallenturnier scharf kritisiert, Veh hat das nicht vergessen und sich jetzt im Verein durchgesetzt, der Vertrag wurde wieder aufgelöst.

In England hat Superstar Gareth Bale vom Top-Klub Tottenham Hotspur seiner neugeborenen Tochter den Namen Alba Violet gegeben, sie hat somit dieselben Initialen, AVB, wie sein oft auch mit den drei Buchstaben benannter Coach André Villas-Boas. Das erscheint schon arg schleimend, ist auf jeden Fall aber origineller und noch dauerhafter als ein Tattoo.

Stars auf der Trainerbank hat es gefühlt schon immer gegeben, von Hennes Weisweiler bis Manchester Uniteds Alex Ferguson. Sicher hat sich prinzipiell die Dimension der Berichterstattung geändert, das allein erklärt jedoch nicht, weshalb es vielerorts eine Aufmacherschlagzeile ist, dass Bayern Münchens neuer Trainer Pep Guardiola fleißig - vier Stunden täglich! - Deutsch lernt für seinen Job. Weitere hochwichtige Neuigkeiten werden in den nächsten 16 Tagen folgen, ehe Guardiola sein Amt antritt.

In der Bundesliga bekommt er es mit einem weiteren seit einiger Zeit auch europäischen Trainerstar zu tun, Borussia Dortmunds Jürgen Klopp. In seiner typischen Art hatte er schon nach der Verpflichtung der Münchner von Übertrainer Guardiola bekundet, dass er dessen Mourinho sein möchte. Der ist inzwischen von Real Madrid, wo er für ein paar Jahre der große und stets nervende Gegenspieler von Guardiola und seinem FC Barcelona war, zum FC Chelsea zurückgekehrt. Auch die Fans des englischen Klubs messen dieser Verpflichtung mehr Bedeutung zu als der eines einzelnen Spielers. 

Der Kampf um die Torjägerkrone kann in der kommenden Saison nicht halb so wichtig sein wie jener der Trainer. Klopp gegen Guardiola, das wird ein Spaß.

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