Sport : Klassenziel Profi

In Herthas Nachwuchs-Akademie werden bis zu 200 Fußballtalente pro Jahr ausgebildet

Mirko Berger,Hannes Maurer

Berlin - 16 Trikots hängen im Aufenthaltsraum der Nachwuchs-Akademie von Hertha BSC. Neben Marx sind auch die Namen Chahed, Fathi und Boateng zu lesen. Im Sommer 2001 wurde die Akademie gegründet und die Trikot-Galerie eingeführt: Jeder, der es aus der Jugend zu einem Bundesliga-Einsatz bei Hertha bringt, wird mit einem Trikot verewigt.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) lobte erst vor kurzem die effektive Nachwuchsarbeit der Berliner. Das oberste Ziel von Hertha ist es, Spieler mit internationalem Niveau auszubilden. Patrick Ebert ist da ein Paradebeispiel. Nur wenige Tage nach seinem Bundesliga-Debüt am 13. August kam der 19-Jährige in der Uefa-Cup-Qualifikation zu seinem ersten internationalen Einsatz.

Nach dem blamablen Vorrundenaus bei der EM 2000 hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Profi-Vereine dazu verpflichtet, sich „im Sektor Nachwuchsförderung intensiver zu betätigen“. Die Jugendabteilung zu verstärken, wäre aber schon zuvor in Planung gewesen, sagt Frank Vogel, Jugendkoordinator bei Hertha. Zu der Zeit sei mit Dieter Hoeneß auch ein in der Nachwuchsarbeit erfahrener Manager zum Verein gestoßen.

20 Millionen Euro hat Hertha seitdem investiert, vor allem in die Infrastruktur. Insgesamt rund 200 junge Fußballtalente können in der Nachwuchsakademie, zu der auch ein Internat mit 18 Plätzen gehört, nun jährlich ausgebildet werden. „Wir sind mittlerweile einer der erfolgreichsten Vereine, was den Nachwuchs betrifft“, sagt Vogel. Die Großstadt Berlin sei ein Grund für den schnellen Erfolg. So gäbe es vereinsnah ein riesiges Repertoire an guten Fußballern.

Doch der Weg in die Profi-Mannschaft ist nicht leicht. Die Nachwuchshoffnungen haben einen strikt durchgeplanten Tagesablauf. Nach dem Frühstück geht es für die meisten in die Charlottenburger Poelchau-Oberschule. Nach den ersten Unterrichtsstunden bringt sie ein Bus zum ersten Training auf das Olympiagelände. Danach geht es zurück in die Schule und anschließend zum zweiten Training. Abends bekommen manche noch Nachhilfe, um 23 Uhr ist Bettruhe. Viel Zeit für andere Dinge bleibt nicht.

Nicht immer geht es direkt in die Bundesliga. Benjamin Köhler kam als A-Jugend-Spieler nach Berlin, konnte sich aber trotz eines ersten Bundesligaeinsatzes bei Hertha nie richtig durchsetzen. Er wechselte über Rot-Weiss Essen zu Eintracht Frankfurt und schaffte dort den Durchbruch. „Benjamin Köhler ist ein alltägliches Beispiel“, sagt Vogel. „Wir geben den Spielern meistens ein Jahr in der Amateurmannschaft. Wenn sie sich da nicht durchsetzen, trennen sich die Wege. Es kommen ja jedes Jahr neue junge Spieler nach.“ Köhler sieht seine Zeit in Berlin trotzdem positiv: „Die Trainingsbedingungen waren schon in der A-Jugend wie bei den Profis. Man muss auch viel Glück haben. Wäre Falko Götz früher da gewesen, hätte ich den Durchbruch vielleicht auch bei Hertha geschafft, aber unter Huub Stevens hatte ich keine Chance.“

Die Erfolge der letzten Jahre sind im aktuellen Kader zu sehen. Allein zu Beginn dieser Saison sind fünf Spieler aus der eigenen Jugend aufgerückt: Patrick Ebert, Chinedu Ede, Robert Müller, Nico Pellatz und Amadeus Wallschläger. Doch nur, wer auch einen Einsatz erhält, wird in der Nachwuchsakademie mit einem Trikot verewigt. Ebert und Ede haben das schon geschafft.

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